Festspielgeschichte im Überblick, Teil 4: 1960–1969

Klemperer Otto nach einer Aufführung von Mahlers Neunter Sinfonie mit dem New Philharmonia Orchestra, 1968

Klemperer Otto nach einer Aufführung von Mahlers Neunter Sinfonie mit dem New Philharmonia Orchestra, 1968

Legendäre Grossmeister waren zu Gast, aber auch drei Vertreter der nachrückenden Dirigentengeneration sorgten für Furore, und zwar alle im selben Sommer 1966: Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Bernard Haitink. Ein weiteres Jahrzehnt in der langen Luzerner Festspielgeschichte.

1960
Zum 100. Geburtstag Gustav Mahlers bringen Otto Klemperer und das Philharmonia Orchestra das Lied von der Erde zur Aufführung. Dietrich Fischer-Dieskau singt unter George Szell die Kindertotenlieder. Aus Tokio kommt erstmals das NHK Symphony Orchestra nach Luzern.


1961
Ferenc Fricsay dirigiert die Uraufführung von Zoltán Kodálys Sinfonie in C, entstanden für das Schweizerische Festspielorchester, das auch in den folgenden Jahren regelmässig zeitgenössische Komponisten mit Werkaufträgen betraut.


1963
Im Gedenken an die Pianistin Clara Haskil, ein regelmässiger Gast bei den Iinternationalen Musikfestwochen, wird erstmals der Klavierwettbewerb «Concours Clara Haskil» durchgeführt – ohne indes einen Sieger zu küren. Weitere Wettbewerbe im Rahmen der IMF finden 1965 (Preisträger: Christoph Eschenbach), 1967 (Preisträgerin: Dinorah Varsi) und 1969 (kein Gewinner) statt.


1964
Mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter William Steinberg gastiert erstmals ein amerikanischer Klangkörper bei den IMF. Aufsehen erregt, mitten im Kalten Krieg, zudem ein Rezital des russischen Ausnahmepianisten Swjatoslaw Richter. Die Reihe «Junge Künstler», die Nachwuchshoffnungen in den Fokus rückt, erlebt mit Jacqueline du Pré und Peter Serkin einen spektakulären Beginn.


1965
Walter Strebi wird erster Ehrenpräsident der IMF, zu seinem Nachfolger als Präsident wird der Rechtsprofessor Alois Troller ernannt (bis 1971). Toller strebt eine Abkehr von der erstarrten Programmkonzeption an, was schliesslich zur Umstrukturierung und Professionalisierung der IMF führt. Der erste Auftritt des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (unter Rafael Kubelík) markiert den Beginn einer bis heute andauernden engen Zusammenarbeit.


Claudio Abbado bei der Probenarbeit, Luzern 1968

Claudio Abbado bei der Probenarbeit, Luzern 1968

1966
Durch die Gründung der Stiftung «Freunde der Internationalen Musikfestwochen Luzern» sichern sich die Verantwortlichen eine wesentliche finanzielle und ideelle Unterstützung durch interessierte Privatpersonen und Wirtschaftskreise. Mit Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Bernard Haitink debutieren gleich drei aufstrebende Pultstars, die dem Festival als prägende Persönlichkeiten über Jahrzehnte eng verbunden bleiben.

1966 debutiert Bernard Haitink am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters

1966 debutiert Bernard Haitink am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters


1967
Als zweiter US-amerikanischer Klangkörper gastiert das Cleveland Orchestra (unter George Szell und Karajan) bei den IMF.


1968
Zum 30. Jubiläum der IMF wird das Programmangebot auf insgesamt 32 Veranstaltungen erweitert, die Hälfte davon Sinfoniekonzerte. Für Furore sorgt insbesondere der erste Auftritt des New York Philharmonic unter Leonard Bernstein. Auf Initiative Alois Trollers beginnen die Planungen für eine Neuorganisation der IMF im Jahr 1970: Um die bislang ehrenamtliche Leitung zu professionalisieren, sollen dem Präsidenten mit Rudolf Baumgartner ein künstlerischer und in der Person des Luzerner Verkehrsdirektors Othmar Fries ein administrativer Direktor zur Seite gestellt werden. Dem Vorhaben erwächst Opposition vor allem seitens der bisher federführenden Programmkommission, doch kann Toller die angestrebten Neuerungen durchsetzen.


1969
Ein Jahr nach der blutigen Niederschlagung des «Prager Frühlings» gastiert mit der Tschechischen Philharmonie erstmals ein Orchester aus dem Ostblock in Luzern, und das mit gleich drei Konzerten. Der Exil-Tscheche Rafael Kubelík lädt die Musiker zu einer Gartenparty ein und überreichte ihnen eine eigens gestiftete «Freiheitsgedenkmedaille», die jedoch von den begleitenden Funktionären rasch eingezogen wird. Walter Schulthess, der die IMF als Berater seit ihrer Gründung massgeblich geprägt hat, scheidet aus dem Organisationskomitee aus.

Daniel Barenboim und Jaccqueline du Pre in Luzern, 1969

Daniel Barenboim und Jaccqueline du Pre in Luzern, 1969

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Festspielgeschichte im Überblick, Teil 3: 1950–1959

Bruno Walter verlässt das alte Kunsthaus

Bruno Walter verlässt das alte Kunsthaus

Weiter geht’s mit unserem historischen Festspielüberblick … In den 1950er Jahren sorgte die Crème de la crème der internationalen Klassik-Szene für allsommerliche musikalische Sternstunden.
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Festspielgeschichte im Überblick, Teil 2: die Kriegs- und Nachkriegsjahre 1940–1949

Jede Woche widmen wir uns einem Jahrzehnt der langen Luzerner Festspielgeschichte. Im zweiten Teil unserer Serie geht es um die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Weiterlesen

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Festspielgeschichte im Überblick, Teil 1: Vorgeschichte & Gründung

Die Geburtsstunde des Festivals: Gala-Konzert mit Arturo Toscanini in Tribschen (Foto: Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Die Geburtsstunde des Festivals: Gala-Konzert mit Arturo Toscanini in Tribschen (Foto: Archiv LUCERNE FESTIVAL)

LUCERNE FESTIVAL geht 2017 in seine 79. Saison! Kurz: Unser Festival hat eine lange Tradition. Und die möchten wir Ihnen bis zum Oster-Festival, bis Anfang April also, vorstellen – mit einem knappen historischen Abriss, garniert mit Fotos aus dem Festspielarchiv. Jede Woche widmen wir uns einem Jahrzehnt … los geht’s mit der Vorgeschichte und den beiden ersten Festspielsommern 1938/39, die die Internationalen Musikfestwochen, wie LUCERNE FESTIVAL damals noch hiess, etablierten.
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«Verdienen Sie so viel wie Justin Bieber?» Der Pianist Louis Schwizgebel trifft Luzerner Schüler

«Debutanten im Schulhaus»: mit Louis Schwizgebel (Foto: Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL)

«Debutanten im Schulhaus»: mit Louis Schwizgebel (Foto: Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL)

«Verdienen Sie so viel wie Justin Bieber?» Diese Frage dürfte Louis Schwizgebel eher nicht erwartet haben. Und er muss sie zur Enttäuschung des jungen Fragestellers verneinen. Nach seinem Festival-Einstand am Mittwoch hat sich der 29-jährige Pianist gestern in der Kantonsschule Reussbühl eingefunden, um an der Reihe «Debutanten im Schulhaus» mitzuwirken. Weiterlesen

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«Als er zu spielen anfing, hat der Boden vibriert.» Ein Kinder-Workshop mit Cameron Carpenter

Für einen Kinder-Workshop ins KKL: Alexa, Dunja, Clara und Nina haben den Organisten Cameron Carpenter getroffen Luzern, den 21.11.2016 Copyright: Priska Ketterer/ LUCERNE FESTIVAL

Für einen Kinder-Workshop ins KKL: Alexa, Dunja, Clara und Nina haben den Organisten Cameron Carpenter getroffen (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

Fast wie die Orgelpfeifen stehen sie da: Alexa (9), Dunja (8), Clara (11) und Nina (12) haben gerade einen von LUCERNE FESTIVAL YOUNG organisierten Workshop mit dem amerikanischen Orgel-Tausendsassa Cameron Carpenter besucht. Und sind noch spürbar beeindruckt von dessen «International Touring Organ», einem von Cameron selbst entwickelten volldigitalen Instrument. «Es war schon ziemlich laut, aber ich fand’s gut», erzählt Alexa. «Als er zu spielen anfing, hat der Boden vibriert, und dann hat mein Herz immer stärker geschlagen.» Weiterlesen

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Die Russen kommen! Fünf Fragen an den Klavierexperten Martin Meyer zum Luzerner «Tastentag»

Martin Meyer gibt im Rahmen des «Tastentags» am 20. November einen Überblick über die russische Klaviermusik und ihre wegweisenden Interpreten (Foto: Manuela Jans/LUCERNE FESTIVAL)

Martin Meyer gibt im Rahmen des «Tastentags» am 20. November einen Überblick über die russische Klaviermusik und ihre wegweisenden Interpreten (Foto: Manuela Jans/LUCERNE FESTIVAL)

Am kommenden Sonntag, im Rahmen unseres grossen «Tastentags», laden wir Sie ein zu einem Streifzug durch die russische Klaviermusik. Und stellen Ihnen drei junge Pianisten mit russischen Wurzeln vor: Georgy Tchaidze, Alexej Gorlatch und Nareh Arghamanyan. Was die russische Klavierschule ausmacht und wer ihre herausragenden Vertreter waren und sind, das erläutert Klavierexperte Martin Meyer in einer «Piano Lecture» um 14.00 Uhr. Ein paar Fragen haben wir ihm aber schon vorab gestellt … Weiterlesen

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Musikrätsel: Gewinnen Sie 2 Konzertkarten für Rudolf Buchbinder beim Piano-Festival

Rudolf Buchbinder in Luzern, 2014 (Foto: Peter Fischli)

Rudolf Buchbinder in Luzern, 2014 (Foto: Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL)

Drei Meisterpianisten können Sie in Luzern mit Solo-Rezitalen erleben: Grigory Sokolov eröffnet das Piano-Festival am Samstag mit Werken von Mozart und Schumann. Igor Levit ergründet am Mittwoch einen Gipfel des Tastenrepertoires: Bachs Goldberg-Variationen. Und Rudolf Buchbinder gibt sich am Abschlusswochenende die Ehre. Für seine Luzerner Rezital verlosen wir 3×2 Konzertkarten. Rätseln Sie mit! Weiterlesen

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Music Puzzle Question: Win a Pair of Tickets to Hear Rudolf Buchbinder

Rudolf Buchbinder (photo: Marco Borggreve)

Rudolf Buchbinder
(photo: Marco Borggreve)

You can hear three master pianists playing solo recitals: Grigory Sokolov opens the Piano Festival on Saturday with works by Mozart and Schumann. Igor Levit will explore a peak of the keyboard repertoire Wednesday: Bach’s Goldberg Variations. And Rudolf Buchbinder takes to the stage during the concluding weekend. We are giving away three pairs of tickets for his performance. Just take part in our music puzzle question and try your luck! Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Friederike Reich, Leiterin Ticketing & Besucherservice?

Wann, wie und woher bist Du zum Festival gekommen, Friederike?
Ich bin Ende 2011 zum Festival-Team gestossen. Zuvor war ich sechs Jahre lang an der Staatsoper Stuttgart im Marketing tätig, war also die Arbeit in einer Kultureinrichtung, an der Schnittstelle von Kunst und ökonomischem Interesse, bereits gewöhnt. Eine ganz besondere, spannende, kreative und zum Teil etwas unkonventionelle Welt ist das, in der man – so behaupte ich – nicht zufällig landet: Wer im Kulturbereich arbeitet, muss wissen, worauf er sich einlässt. Das ist kein «9 to 5»-Bürojob. Eine Portion Begeisterung und Idealismus gehören dazu. Weiterlesen

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