«Verdienen Sie so viel wie Justin Bieber?» Der Pianist Louis Schwizgebel trifft Luzerner Schüler

«Debutanten im Schulhaus»: mit Louis Schwizgebel (Foto: Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL)

«Debutanten im Schulhaus»: mit Louis Schwizgebel (Foto: Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL)

«Verdienen Sie so viel wie Justin Bieber?» Diese Frage dürfte Louis Schwizgebel eher nicht erwartet haben. Und er muss sie zur Enttäuschung des jungen Fragestellers verneinen. Nach seinem Festival-Einstand am Mittwoch hat sich der 29-jährige Pianist gestern in der Kantonsschule Reussbühl eingefunden, um an der Reihe «Debutanten im Schulhaus» mitzuwirken. Weiterlesen

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«Als er zu spielen anfing, hat der Boden vibriert.» Ein Kinder-Workshop mit Cameron Carpenter

Für einen Kinder-Workshop ins KKL: Alexa, Dunja, Clara und Nina haben den Organisten Cameron Carpenter getroffen Luzern, den 21.11.2016 Copyright: Priska Ketterer/ LUCERNE FESTIVAL

Für einen Kinder-Workshop ins KKL: Alexa, Dunja, Clara und Nina haben den Organisten Cameron Carpenter getroffen (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

Fast wie die Orgelpfeifen stehen sie da: Alexa (9), Dunja (8), Clara (11) und Nina (12) haben gerade einen von LUCERNE FESTIVAL YOUNG organisierten Workshop mit dem amerikanischen Orgel-Tausendsassa Cameron Carpenter besucht. Und sind noch spürbar beeindruckt von dessen «International Touring Organ», einem von Cameron selbst entwickelten volldigitalen Instrument. «Es war schon ziemlich laut, aber ich fand’s gut», erzählt Alexa. «Als er zu spielen anfing, hat der Boden vibriert, und dann hat mein Herz immer stärker geschlagen.» Weiterlesen

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Die Russen kommen! Fünf Fragen an den Klavierexperten Martin Meyer zum Luzerner «Tastentag»

Martin Meyer gibt im Rahmen des «Tastentags» am 20. November einen Überblick über die russische Klaviermusik und ihre wegweisenden Interpreten (Foto: Manuela Jans/LUCERNE FESTIVAL)

Martin Meyer gibt im Rahmen des «Tastentags» am 20. November einen Überblick über die russische Klaviermusik und ihre wegweisenden Interpreten (Foto: Manuela Jans/LUCERNE FESTIVAL)

Am kommenden Sonntag, im Rahmen unseres grossen «Tastentags», laden wir Sie ein zu einem Streifzug durch die russische Klaviermusik. Und stellen Ihnen drei junge Pianisten mit russischen Wurzeln vor: Georgy Tchaidze, Alexej Gorlatch und Nareh Arghamanyan. Was die russische Klavierschule ausmacht und wer ihre herausragenden Vertreter waren und sind, das erläutert Klavierexperte Martin Meyer in einer «Piano Lecture» um 14.00 Uhr. Ein paar Fragen haben wir ihm aber schon vorab gestellt … Weiterlesen

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Musikrätsel: Gewinnen Sie 2 Konzertkarten für Rudolf Buchbinder beim Piano-Festival

Rudolf Buchbinder in Luzern, 2014 (Foto: Peter Fischli)

Rudolf Buchbinder in Luzern, 2014 (Foto: Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL)

Drei Meisterpianisten können Sie in Luzern mit Solo-Rezitalen erleben: Grigory Sokolov eröffnet das Piano-Festival am Samstag mit Werken von Mozart und Schumann. Igor Levit ergründet am Mittwoch einen Gipfel des Tastenrepertoires: Bachs Goldberg-Variationen. Und Rudolf Buchbinder gibt sich am Abschlusswochenende die Ehre. Für seine Luzerner Rezital verlosen wir 3×2 Konzertkarten. Rätseln Sie mit! Weiterlesen

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Music Puzzle Question: Win a Pair of Tickets to Hear Rudolf Buchbinder

Rudolf Buchbinder (photo: Marco Borggreve)

Rudolf Buchbinder
(photo: Marco Borggreve)

You can hear three master pianists playing solo recitals: Grigory Sokolov opens the Piano Festival on Saturday with works by Mozart and Schumann. Igor Levit will explore a peak of the keyboard repertoire Wednesday: Bach’s Goldberg Variations. And Rudolf Buchbinder takes to the stage during the concluding weekend. We are giving away three pairs of tickets for his performance. Just take part in our music puzzle question and try your luck! Weiterlesen

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Was macht eigentlich … Friederike Reich, Leiterin Ticketing & Besucherservice?

Wann, wie und woher bist Du zum Festival gekommen, Friederike?
Ich bin Ende 2011 zum Festival-Team gestossen. Zuvor war ich sechs Jahre lang an der Staatsoper Stuttgart im Marketing tätig, war also die Arbeit in einer Kultureinrichtung, an der Schnittstelle von Kunst und ökonomischem Interesse, bereits gewöhnt. Eine ganz besondere, spannende, kreative und zum Teil etwas unkonventionelle Welt ist das, in der man – so behaupte ich – nicht zufällig landet: Wer im Kulturbereich arbeitet, muss wissen, worauf er sich einlässt. Das ist kein «9 to 5»-Bürojob. Eine Portion Begeisterung und Idealismus gehören dazu. Weiterlesen

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Wolfgang Schneiderhan in Luzern

Er war einer der herausragenden Geiger des 20. Jahrhunderts: Geboren 1915 in Wien, wirkte Wolfgang Schneiderhan zunächst lange Jahre als Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, bevor er sich ganz auf seine Solistenkarriere konzentrierte. Und auch als Kammermusiker – etwa mit seinem Schneiderhan-Quartett oder im Trio mit Edwin Fischer und Enrico Mainardi – setzte er Akzente. In Luzern zählte Schneiderhan fast ein halbes Jahrhundert lang zu den prägenden Künstlern: Zwischen 1949 und 1986 gab er hier sagenhafte 42 Konzerte, leitete als Nachfolger von Georg Kulenkampffs die Meisterkurse und gründete 1956 gemeinsam mit seinem Schüler Rudolf Baumgartner die Festival Strings Lucerne.

95644_3d-dpacDie zehnte CD unserer Reihe «Historic Performances» ehrt Wolfgang Schneiderhan mit drei erstmals veröffentlichten Live-Mitschnitten, die die Spannweite seines Repertoires belegen: Eine frühe Aufnahme von Mozarts letztem Violinkonzert zeigt ihn als Vertreter der Wiener Mozarttradition. Sein Partner am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters ist hier Paul Hindemith, der so einmal als Dirigent des klassischen Repertoires zu erleben ist. Interpretationen von Hans Werner Henzes hochvirtuosem Erstem Violinkonzert und dem Magnificat des Schweizers Frank Martin wiederum stellen Schneiderhans Engagement für die Musik seiner Zeit heraus. Martin schuf sein ungewöhnlich besetztes Werk übrigens eigens für Schneiderhan und dessen Ehefrau, die Sopranistin Irmgard Seefried – der Luzerner Mitschnitt der Welturaufführung mit den beiden Widmungsträgern ist deshalb ein besonderer Archivfund.

Als Einstimmung auf die neue CD erinnern wir mit einigen Fotos aus dem Festival-Archiv an diesen besonderen Geiger.

Wolfgang Schneiderhan (Foto: Max A. Wyss/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Wolfgang Schneiderhan (Foto: Max A. Wyss/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Nach der Uraufführung von Frank Martinbs Magnificat, v.l.n.r.: Irmgard Seefried, der Komponist, Wolfgang Schneiderhan und Bernard Haitink (Foto: Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Nach der Uraufführung von Frank Martins Magnificat, v.l.n.r.: Irmgard Seefried, der Komponist, Wolfgang Schneiderhan und Bernard Haitink (Foto: Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Mit Pierre Fournier (Foto: Anthony Altaffer/Archiv-LUCERNE FESTIVAL)

Mit dem Cellisten Pierre Fournier (Foto: Anthony Altaffer/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Signierstunde mit Irmgard Seefried (Foto Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Signierstunde mit Irmgard Seefried (Foto: Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Signierstunde mit Rezital mit Walter Klein, 1965 (Foto: Paul Weber/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Rezital mit Walter Klien, 1965 (Foto: Paul Weber/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

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From Lucerne to Miami. Cellist Alexa Ciciretti on her experiences in the LUCERNE FESTIVAL ACADEMY and the New World Symphony

alexa-circettiWhat did you like most about being part of the LUCERNE FESTIVAL ACADEMY?
One of the most exciting aspects of the Academy was getting to play in an ensemble with young musicians who are just as enthusiastic about new music as I am! It really felt like we were working towards a common goal of sharing our love of the repertoire with the audience. Having the opportunity to work closely with world-renowned conductors and composers made the experience truly unforgettable.

You are a fellow at the New World Symphony. What is the main difference between the two academies concerning repertoires, concerts, musical benefit, conductors, soloists…?
I was surprised at how many similarities there are between the New World Symphony and the LUCERNE FESTIVAL ACADEMY. Both Matthias Pintscher and Susanna Mälkki, who we worked with this summer at the Academy, conducted at New World Symphony in the 2015-2016 season. It was a treat to work with them both twice in one year! Some of the repertoire we played at Lucerne is in New World Symphony’s canon (Berg’s Violin Concerto, Bartók’s Concerto for Orchestra, etc.). New World Symphony also has a series of new music concerts called “Sounds of the Times” where we present music that is LUCERNE FESTIVAL ACADEMY’s main focus (Boulez, Babbitt, Saariaho, etc.) However, since New World’s season spans over 8 months out of the year, we also have time to do Baroque music concerts, chamber music concerts, and concerts for kids. We also spend a great deal of time at New World working with professional orchestral musicians preparing excerpts and learning how to take successful auditions.

How was it to come back to Miami Beach after having spent three weeks in Switzerland?
It’s great to be back at New World – we’ve already started playing concerts and finding our “orchestral sound.” Each season is slightly different, since some fellows leave for professional jobs each year. It takes a little while to adjust but we’ve been sounding great. I really miss Switzerland, especially the beautiful weather and scenery. Miami Beach weather is not my favorite!

You are used to play in the New World center, a huge musical laboratory based in Miami Beach where lessons but also concerts take place. What is the atmosphere in the center? Can you compare it to KKL and the Academy Foyer?
I absolutely love the New World Center – it’s a gorgeous building designed by Frank Gehry. The atmosphere is always very exciting there, especially because there are always so many musical events taking place at one time. I especially like practicing at the Center because I always feel inspired working in close proximity to the other fellows. The hall itself is quite intimate (750 seats), but we do have the opportunity to play at the Adrienne Arsht Center in Miami (2,400 seats) several times a year. I did notice many similarities between the KKL and New World Center. The Academy Foyer caused all of the students to be in close quarters. We got to share meals together between rehearsals, hang out together, and exchange ideas. I learned a lot by talking to the other students! I also really liked the atmosphere at the KKL. Since it is in such a central part of Lucerne and there were so many events going on any given day, it always felt very exciting to be in and around the building. It was inspiring to know that world-class orchestras were rehearsing just one hall over from us, and that people from all over the world wanted to attend the concerts at the Festival.

In a fellowship that lasts up to three years, friendships will be built. What is it like if you are in an academy of only three weeks like here in Lucerne? Are you still in contact with other Alumni from LUCERNE FESTIVAL ACADEMY?
I am definitely still in contact with other Alumni from the LUCERNE FESTIVAL ACADEMY! I came to the Academy knowing many people in the orchestra, but I feel that I formed new friendships as well as solidifying old friendships while I was there. We all spent a lot of time together, so we got to know each other pretty well. I also hope to collaborate musically with the Alumni of the LUCERNE FESTIVAL ACADEMY in the future as well.

Can you imagine to come back to Lucerne next year?
Overall, I had a fantastic experience and I would love to come back to Lucerne next year!

The interview was conducted by Julia Mäder

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Aus dem Archiv: «Ein Tohuwabohu von Besuchern, Fotografen, Presseleuten, Autographenjägern». George Szell plädiert für einen Rückzugsraum

George Szell in Luzern (Foto: Paul Weber/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

George Szell in Luzern (Foto: Paul Weber/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Jahrzehntelang bildete das 1933 eröffnete alte Kunst- und Kongresshaus das «Hauptquartier» der Internationalen Musikfestwochen Luzern, des heutigen LUCERNE FESTIVAL, bis es dann 1998 durch das neu errichtete KKL Luzern mit seiner unvergleichlichen «Salle blanche» abgelöst wurde. Nicht nur akustisch war das ein immenser Gewinn, auch die Infrastruktur hinter der Bühne des Kunsthauses liess offenbar zeitweilig Wünsche offen, wie dieses Fundstück aus unserem Archiv verrät: ein Brief von George Szell, Chefdirigent in Cleveland und regelmässiger Gast in Luzern, verfasst anlässlich seines letzten Auftritts am Vierwaldstättersee im Sommer 1969.

George Szell, z.Zt. Palace Lucerne
31. August 1969

Herrn Prof. Dr. Alois Troller
Kapellplatz 10
Luzern

Lieber Alois,

Auf Ihren Wunsch erlaube ich mir, ein kleines Memorandum über die Beobachtungen betreffs Einzelheiten Festwochen-Kunsthaus, die ich neulich wieder machen konnte, Ihnen zu unterbereiten.
Der Raum im Erdgeschoss[,] der, als einziger, den Dirigenten und Solisten zur Verfügung steht, ist sowohl unzulänglich als auch äusserst unpresentabel [sic]. Die Sitzmöbel sind schäbig und bedürfen neuer Bezüge, ausserdem sind die Federn aller Möbel gebrochen[,] sodass man als Mitwirkender keine Möglichkeit hat, sich in auch nur einem ordentlichen Fauteuil einen Augenblick auszuruhen. Der Raum selbst dient zur Zeit als Büro und als Ankleidezimmer sowohl des Dirigenten als auch des Solisten. Es ist klar[,] dass unter diesen Umständen einer den anderen nur stört und keiner Raum und Ruhe zur Konzentration vor seiner Aufgabe oder in der Pause hat. Dies wird noch dadurch verschlimmert, dass offenbar jedermann zu diesem Raume unkontrollierten Zugang hat. Mein Vorschlag wäre, den Raum durch eine faltbare Zwischenwand der Länge nach abzuteilen, sodass Dirigent & Solist den Teil mit dem Waschtisch zur Verfügung hat (als Umkleideraum)[,] während der andere Teil als Empfangsraum dienen könnte, zu welchem der Zutritt jedoch nach bestimmten Gesichtspunkten zu regeln wäre, damit das jetzige Tohuwabohu von Besuchern, Fotografen, Presseleuten, Autographenjägern etc.[,] die sich ungehemmt herumtummeln, vermieden werde. Ueberhaupt vermisse ich einen verantwortlichen Türwächter mit zweckdienlichen Instruktionen an der Künstlerzimmertüre wie auch Ueberwachung und Pflege der, sagen wir, hygienischen Räumlichkeiten. Ich bezweifle nicht, dass diese Dinge abstellbar, respektive reparierbar sind, wenn die Aufmerksamkeit von kompetenten Stellen auf diese Misstände [sic] gerichtet wird. Jedenfalls stehen diese Missstände, die den Ausführenden sehr peinlich sein können, in krassem Widerspruch zu dem hohen Prestige und dem vornehmen Charakter der Festwochen.

Mit herzlichen Grüssen
Ihr ergebener
[Unterschrift]

Nachtrag: Von George Szells letztem Luzerner Konzert im August 1969 (mit der Tschechischen Philharmonie, die als erstes Orchester des damaligen Ostblocks beim Festival gastierte) hat sich übrigens ein mitreissender Mitschnitt von Dvořáks Achter Sinfonie erhalten, der in der CD-Serie «Historic Performances» veröffentlicht wurde:

95625 Cover Lucerne Festival CD3George Szell
Tschechische Philharmonie | Schweizerisches Festspielorchester
Sinfonien von Dvořák und Brahms
(Aufnahmen: 1969 und 1962)

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Individuation statt Klischee. Ein Gespräch mit Wolfgang Rihm zum Festivalthema «PrimaDonna»

Wolfgang in Rihm in Luzern, 2016 (Foto: Stefan Deuber)Lieber Herr Rihm, zunächst eine ganz schlichte Frage: Komponieren Frauen anders als Männer?
Nein. Was ich beobachte: Komponistinnen sind ebenso wie Komponisten den Zwängen und Klischee-Angeboten ihrer jeweiligen Gegenwart ausgeliefert. Das heisst: Sie machen identische «Fehler» und sind den gleichen Individuationsanstrengungen ausgesetzt, um sich zu emanzipieren von den etwa durch männliche und weibliche Kritik gleichermassen etablierten Schein-Standard-Angeboten zeitgemässer Kunstproduktion. Überleben kann nur, wer sich individuiert. Das ist unabhängig vom Geschlecht. Und es muss ausgehalten, ertragen werden.

Es wäre also falsch, davon auszugehen, dass sich komponierende Frauen im Musikleben anders als ihre männlichen Kollegen positionieren müssen?
Sollte sich jemand allein aufgrund seines Geschlechts zu einer Individuationsgestalt stilisieren, würde er oder sie einen weiteren entscheidenden «Fehler» machen. Ich rate also von solchen Strategien ab, da sie vom Entscheidenden ablenken: der Gestalt des Werks. Da diese immer auch aus dem Körper des oder der Schaffenden mitbestimmt wird, ist die Geschlechtsfrage tautologisch, also eigentlich sekundär.

Wenn Sie etwa im Bereich der Oper Musik für eine weibliche Figur komponieren, oder wenn Sie vom Gedicht einer Autorin zu einer Vertonung angeregt werden, bildet Ihre Musik dann das Geschlecht ab? Und wie ginge das überhaupt – denn die Opernkonventionen des 19. Jahrhunderts liegen ja weit hinter uns?
Eine weibliche oder männliche Gestalt im musikdramatischen Kontext zu formen, hat naturgemäss etwas mit deren Weiblich-Sein oder Männlich-Sein zu tun. Das ist aber etwas ganz anderes als etwa die Dichtung eines Mannes oder die einer Frau zu vertonen, deren artistische Gestalt nicht vergleichbar ist mit der einer agierenden Menschengestalt, einer Person. Musik kann Charakterzüge darstellen helfen, nicht aber «das Geschlecht abbilden». Das hat mit «Opernkonventionen» überhaupt nichts zu tun. Wenn ich etwa eine männliche Gestalt durch eine Frau darstellen lasse, ist es dennoch eine männliche Gestalt, die da agiert.

Wenn Sie zurückblicken: Wie schätzen Sie die Situation von Frauen im Musikleben im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte ein? Gab es so etwas wie einen stetigen «Normalisierungsprozess» oder eher ein Auf und Ab? Und verläuft die Entwicklung bei schöpferischen und nach-schöpferischen Künstlerinnen – also: bei Komponistinnen und Interpretinnen – parallel, oder sind hier Unterschiede auszumachen?
Wenn wir unter «Normalisierungsprozess» etwas verstehen, das die Fragestellung nach und nach immer exotischer erscheinen lässt, dann sind wir noch lange nicht am Ziel. Und was wäre das Ziel? Dass kein «Gewese» mehr um all das gemacht werden muss. Sicher haben es Interpreten – männliche und weibliche – zunächst einmal leichter, als ernstzunehmende Figuren wahrgenommen zu werden. Aber war das nicht immer so? Und warum sollten wir das grundsätzlich beklagen? Für Komponistinnen und Komponisten gilt: Es braucht Zeit, bis überhaupt wahrgenommen werden kann, was sie tun. Dafür allerdings dauert ihre «Gegenwart» länger an. Interpreten haben ihre Zeit. Komponisten haben Zeit.

Fördern Sie junge Musikerinnen, etwa in Ihrer Karlsruher Kompositionsklasse, besonders?
Ich hatte von Anfang an (also über 30 Jahre) einen vergleichsweise hohen Anteil von Studentinnen in meiner Kompositionsklasse. Aber nicht aus programmatischen Überlegungen, sondern weil sich zu den Aufnahmeprüfungen immer wieder viele begabte junge Komponistinnen anmelden. Wie oben schon angedeutet, haben diese mit exakt den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie ihre männlichen Kollegen.

Genie ist sicherlich kein männliches Alleinstellungsmerkmal. Doch hatten es Komponistinnen – genau wie ihre Kolleginnen in Malerei und Literatur – in vergangenen Epochen schwer, aufgeführt oder überhaupt wahrgenommen zu werden. Wen würden Sie unbedingt zur «Entdeckung» empfehlen?
Ich durchforste die Zeiten nicht nach «Genies», um mich deren Werk zuzuwenden. Vielmehr werde ich von Kunstwerken berührt und angeregt, mich mit ihnen zu beschäftigen. Die Sorge, dass es Kunstwerke gibt, die wir gar nicht kennenlernen können, weil sie im Verborgenen existieren, kann ich gut verstehen. Ich halte diese Sorge aber für überbewertet angesichts der schonungslosen Präsenz, zu der die medialen Möglichkeiten unserer Gegenwart noch das Geringste heraufrufen.

Interview: Malte Lohmann

Weitere Beiträge der Serie «Frauenfragen» zum diesjährigen Festivalthema «PrimaDonna» finden Sie hier.

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