«Kaviar, Käse, Butter in Hülle und Fülle». Sergej Prokofjew und die Sowjetunion

Frank Peter Zimmermann spielt beim Sommer-Festival 2019 Prokofjews Erstes Violinkonzert (Foto: Harald Hoffmann/hänsslerCLASSIC)

Sergej Prokofjew bezeichnete sich gern als einen unpolitischen Menschen. «Ich für meinen Teil kümmere mich nicht um Politik», erklärte er einmal, «die Kunst hat nichts mit ihr zu tun.» Und doch waren es die epochalen Zeitgeschehnisse, die ihn im Frühjahr 1918 veranlassten, seine russische Heimat zu verlassen. Als 1917 in seinem Wohnort Petrograd die Strassenkämpfe ausbrachen und die Oktoberrevolution einläuteten, zog er sich aufs Land zurück und tauchte ein in die musikalische Vergangenheit, die Epoche Joseph Haydns, um seine Erste Sinfonie, die Symphonie classique, zu komponieren. Weiterlesen

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«Zum Teufel mit der künstlerischen Neutralität!» Igor Levit über Musik und Macht

Beim Sommer-Festival 2019 eröffnet Igor Levit mit zwei Rezitalen und unter anderem der Waldstein-Sonate und Les Adieux seinen grossen Luzerner Zyklus mit sämtlichen Klaviersonaten Ludwig van Beethovens, die er in diesem und dem kommenden Jahr aufführen wird. Vorab hat er mit Anselm Cybinski über Beethoven und das diesjährige Festivalthema «Macht» gesprochen.

Igor Levit (Foto: Felix Broede)

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«Gluck, dieses Untier, hat alles zertrampelt». Claude Debussys Kampf gegen die Vorherrschaft der deutschen Musik

Claude Debussy, Portrait von Maurice Bachet

Als Claude Debussy in den 1880er Jahren seine Laufbahn begann, standen die führenden musikalischen Kreise Frankreichs ganz im Bann des «Wagnérisme». Ausgerechnet der Deutsche Richard Wagner war es also, der beim französischen «Erzfeind» den Ton angab. Auch Debussy konnte sich diesem Einfluss zunächst nicht entziehen. Weiterlesen

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Per Fusstritt in die Freiheit. Wie Mozart den Schritt vom Fürstendiener zum Freelancer wagte

Wolfgang Amadé Mozart, unvollendetes Portrait von Joseph Lange

Klarer kann eine Kündigung kaum sein: Mit einem Fusstritt in den Allerwertesten flog Wolfgang Amadé Mozart 1781 aus fürstlichen Diensten. Gerade hat er in München seine Oper Idomeneo herausgebracht (und den dafür gewährten Sonderurlaub um ganze drei Monate überzogen), da beordert ihn sein Brotherr, der Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo, nach Wien. Sich erneut in den ungeliebten Hofdienst zu finden, fällt Mozart nach den Münchner Erfolgen besonders schwer, und so verschlechtert sich das ohnehin schon angespannte Verhältnis zu Colloredo zusehends. Ja, Mozart scheint seinen Rauswurf geradezu zu provozieren: Weiterlesen

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«… denn sein Zorn ist schrecklich». Anton Bruckner und sein ärgster Kritiker Eduard Hanslick

Als Komponist hat Anton Bruckner zeitlebens um Anerkennung ringen müssen. Seine gewaltigen Sinfonien erschienen vielen Zeitgenossen als unverständlich oder verrückt und hatten es entsprechend schwer, zur Aufführung zu gelangen. An der Spitze der Bruckner-Antipoden stand der Wiener Journalist Eduard Hanslick, der in seinen Rezensionen mit Häme und Gehässigkeiten nicht gerade geizte. Da Hanslick aber als «Kritikerpapst» galt und ganz Wien auf ihn hörte, geriet das Machtspiel mit diesem Widersacher für Bruckner zu einem echten Albtraum.
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Das verlorene Paradies. Sergej Rachmaninow und das verhängnisvolle Jahr 1917

Sergej Rachmaninow und Arturo Toscanini treffen sich im Sommer 1939 bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern, dem heutigen LUCERNE FESTIVAL (Archiv LUCERNE FESTIVAL).

Dieser Komponist passte nicht ins Weltbild der bolschewistischen Revolutionäre: Sergej Rachmaninow galt den Rebellen, die in Russland den kommunistischen Umsturz vorbereiteten, als Repräsentant der herrschenden Klasse. Das fing schon damit an, dass Rachmaninow aus altem russischem Landadel stammte. Weiterlesen

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Komponist im Gulag: Aleksandr Mossolow

Aleksandr Mossolow

Im Januar 1929 beschloss das Leningrader Staatliche Opern- und Balletttheater, die Ideen der sowjetischen Revolution auch im Bereich des Musiktheaters fruchtbar werden zu lassen. Man setzte deshalb eine Kommission zur Schaffung sowjetischer Opern ein und fand rasch das geeignete Thema für den Prototypus: Der Staudamm sollte das bahnbrechende neue Werk heissen und um die Errichtung eines mächtigen Wehrs im Süden des Landes kreisen. Weiterlesen

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«Dieses Räuber- und Mördersystem». Béla Bartók im Kampf gegen den Faschismus

Béla Bartók hat die Musik erneuert, indem er ihre uralten Wurzeln erkundete. Ab 1905 begann er, seine ungarische Heimat zu durchwandern, um systematisch die Volksmusik zu erforschen. Er zog über die Dörfer und liess sich von den Bäuerinnen Lieder vorsingen, die schon deren Grossmütter gesungen hatten. Ziegenhirten spielten für ihn auf der Flöte, Dorfmusikanten auf der Fiedel oder dem Dudelsack. Weiterlesen

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Das missbrauchte Kunstwerk. Wie Sozialisten und Nationalisten Beethovens Neunte für sich vereinnahmten

Beethovens Neunte Sinfonie ist ein politisches Kunstwerk. Das verrät bereits die Wahl von Friedrich Schillers Gedicht An die Freude, das Beethoven im Finale vertont und mit dem er seine Botschaft unmissverständlich ausdrückt: «Alle Menschen werden Brüder.» Der Geist der Französischen Revolution mit ihrer Devise «Liberté, Égalité, Fraternité» steht hier also Pate, und Beethoven setzt ihn auch kompositorisch um, indem er die Instrumental- mit der Vokalmusik und die Sinfonie mit der Kantate verschwistert. Ein klarer Fall also, sollte man meinen. Doch ausgerechnet dieses Werk führte zu einem unerbittlichen Streit zwischen den verschiedenen Parteien,den rechten und den linken, die Beethovens Neunte jeweils für ihre Zwecke vereinnahmten: ein Machtspiel um die Deutungshoheit der vielleicht berühmtesten Sinfonie überhaupt.
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Nerven-Musik – zum 80. Geburtstag von Heinz Holliger

Heinz Holliger probt mit der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY (Foto: Stefan Deuber/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Am 21. Mai feiert Heinz Holliger, der LUCERNE FESTIVAL seit über einem halben Jahrhundert als Oboist, Dirigent und Komponist eng verbunden ist, seinen 80. Geburtstag. Moderne-Dramaturg Mark Sattler gratuliert – das Geburtstagskonzert folgt im September, beim Luzerner Sommer-Festival.

Samuel Beckett machte für seinen Monolog NOT I genaue Angaben zur Inszenierung: Per Live-Video soll auf einer Leinwand 20 cm über der Schauspielerin nur deren Mund gezeigt werden, die gesamte Bühne ansonsten schwarz sein. Weiterlesen

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