Wann beginnt der Sommer?

Probenpause (Foto: Waskiewicz-Fumeo)

Probenpause (Foto: Waskiewicz-Fumeo)

In wenigen Tagen eröffnen Claudio Abbado und das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA unsere diesjährigen Sommerfestspiele. Allerdings: Für mein Team und mich hat der Sommer 2013 schon vor geraumer Zeit begonnen, da die Planung und Organisation eines solchen Gross-Events natürlich mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Die Zeiten, in denen die Luzerner Festivalleitung einen weltweit umworbenen Pianisten wie Sergej Rachmaninow im Winter erstmals vorsichtig anfragen konnte, ob er nicht im darauffolgenden Sommer (nur acht Monate später!) am Vierwaldstättersee auftreten wolle – so geschehen 1938, im Gründungsjahr der Festspiele –, sind angesichts der dicht getakteten Terminpläne heutiger Künstler und Klangkörper lange vorbei! Spätestens, seit im vergangenen November unser Jahresprogramm gedruckt vorlag, drehte sich bei uns alles nur noch um die Vorbereitung dieser besonderen Geburtstagssaison.

Fahnen zum Festivalstart (Foto: Georg Anderhub)

Fahnen zum Festivalstart (Foto: Georg Anderhub)

Dennoch: Richtige Festivalstimmung kommt bei aller Vorab-Organisation erst im August auf. Für mich beginnt der Sommer allerdings immer schon einige Tage vor dem Eröffnungskonzert – nämlich dann, wenn die Musikerinnen und Musiker unseres einzigartigen Festspielorchesters am Vierwaldstättersee eintreffen. Dann zieht in Luzern der Festspielgeist ein (den die fahnengeschmückten Strassen auch optisch beschwören), dann beginnt die intensive Probenarbeit dieses wunderbaren «Orchesters aus Solisten», dann sieht man täglich Menschen mit Geigen- oder Trompetenkoffern zum KKL strömen. Und nach der ersten Tuttiprobe kommen dann alle beim traditionellen Empfang für die Orchestermitglieder zusammen, mit dem uns das Ehepaar Schwöbel Saison für Saison beschenkt.

Raymond Curfs - Solopauker des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA (Foto: Priska Ketterer)

Raymond Curfs – Solopauker des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA (Foto: Priska Ketterer)

Im Jubiläumssommer 2013 war das am vergangenen Sonntagabend der Fall. Und wieder wurde mir bewusst, wie sehr mir das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA in der Dekade seit seiner Gründung ans Herz gewachsen ist, welch Glück es ist, zahlreiche Musikerinnen und Musiker über die Jahre immer besser kennenlernen zu dürfen: Der Trompeter Reinhold Friedrich oder der Kontrabassist Alois Posch etwa sind seit Anbeginn dabei. Die Schlagzeuggruppe hat mich sogar einmal zu ihrem Ehrenmitglied ernannt – bleibt zu hoffen, dass es sich um eine rein repräsentative Auszeichnung handelt und ich (als Geiger) nicht irgendwann einmal gebeten werde, kurzfristig am Vibraphon oder an der kleinen Trommel einzuspringen … Andere Bekanntschaften wiederum reichen weit über die vergangenen zehn Jahre hinaus: Mit Kolja Blacher zum Beispiel, der Claudio Abbado von den Berliner Philharmonikern als Konzertmeister zum LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA folgte (in diesem Sommer wegen einer Rückenverletzung allerdings leider nicht dabei sein kann), habe ich während meiner Kindheit in Berlin bereits im Sandkasten gespielt.

Meine Kollegin Christiane Weber, die das Orchester so wunderbar managt, hat in einem Interview im jüngst erschienenen Bildband Das Wunder von Luzern zu Recht gesagt, wir seien zu einer grossen Familie zusammengewachsen: «Wenn der Sommer zu Ende geht, sind wir alle traurig, dass wir wieder auseinandergehen müssen. Dann heisst es: Gott sei Dank gibt es ja noch die Tournee, in ein paar Wochen sehen wir uns wieder.» Nun, noch liegen gut zwei Wochen LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA und fünf sicherlich unvergessliche Konzertabende mit Musik von Beethoven bis Schönberg vor uns, bevor es dann im Oktober nach Japan geht. Feiern wir also das zehnte Jubiläum dieses wunderbaren Orchesters – natürlich mit Musik!

Michael Haefliger | Intendant LUCERNE FESTIVAL

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Eine Antwort auf Wann beginnt der Sommer?

  1. Tony Reis sagt:

    Wir freuen uns, lieber Michael, dass Du uns an Deinen Eindrücken,Emotionen und Erfahrungen am Festival teilhaben lässt.

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