LUCERNE FESTIVAL Young Performance – neue Arbeitsweisen für neue Konzertformate

Im kommenden Festspielsommer startet mit LUCERNE FESTIVAL Young Performance eine neue Produktionsstätte für innovative Konzertformen und -formate. Aber die Probenarbeit hat natürlich schon längst begonnen. Johannes Fuchs, Leiter des Kinder- und Jugendangebots bei LUCERNE FESTIVAL, stellt das Konzept vor und berichtet von seinen ersten Eindrücken.

Konzerte für ein junges Publikum sind zum Motor bei der Entwicklung neuer Konzertformate geworden: Die Tatsache, dass sich Kinder und Jugendliche nicht ohne weiteres auf das Ritual eines klassischen Konzerts einlassen können, hat den Raum für spannende Innovationen geöffnet. Daraus erwuchsen bei uns das Bedürfnis und die Notwendigkeit, ein eigenes Ensemble zu gründen, das sich dieser Aufgabe umfassend widmen kann. Und so ist – mit Unterstützung der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG – LUCERNE FESTIVAL Young Performance entstanden, ein vorerst auf drei Jahre angelegtes Projekt, das diesen Sommer startet und produktive Antworten auf die Frage nach dem «idealen Kinderkonzert» geben soll. Die Trennung, ja Zersplitterung von zeitgenössischer Komposition, pädagogischer Forschung, künstlerisch-interpretatorischer Produktion und der Ausbildung junger Musiker soll hier aufgehoben werden: Wir möchten diese Aspekte in der Praxis kreativ vernetzen, um neue Erfahrungen des Musizierens und neuartige Formen der Musikpräsentation zu gestalten. Das Ensemble wird deshalb jährlich neu zusammengestellt und bietet engagierten Nachwuchsmusikern, Komponisten und Performern, Regisseuren, Choreographen, Dramaturgen und Musikpädagogen ideale Rahmenbedingungen, um neue Konzertformate für Kinder und Jugendliche zu kreieren.

Aber wie sieht ein gelungenes Konzert für Kinder überhaupt aus? Die Antwort darauf können diese eigentlich nur selbst geben, denn Kinder haben ein sehr gutes Gespür für alles, was auf einer Bühne vor sich geht. Und so ist es wenig überraschend, dass im Bereich Kindertheater tätige Schauspieler und Regisseure auf die Frage «Wie muss man für Kinder spielen?» gerne antworten: «Genauso wie für Erwachsene. Nur besser!» Im Zentrum von LUCERNE FESTIVAL Young Performance stehen daher die Musikerinnen und Musiker: Mit ihnen wollen wir neue Parameter des Musizierens erarbeiten und uns nicht allein auf die Magie der Meisterwerke verlassen, die dem Publikum bereits mehr oder weniger bereits bekannt sind.

Das Ensemble der Pilotsaison 2014/15 setzt sich aus sieben jungen Instrumentalisten zusammen, die wir im vergangenen September aus Teilnehmern der LUCERNE
LUCERNE FESTIVAL Young Performances - erste Proben (Foto: Priska Ketterer) FESTIVAL ACADEMY gecastet haben. Gefragt war zum einen ein neues Selbstverständnis: weg vom (bloss) ausführenden Interpreten, hin zum aktiven Gestalter kommunikativer Musikkonzepte. Dabei zeigte sich, dass viele der Bewerber bereits in intermedialen Projekten mitgewirkt hatten, bei denen sie neben dem Instrumentalspiel auch in eine choreographierte Performance eingebunden waren – dies allerdings selten in einem professionellen Rahmen. Darüber hinaus konnten wir ein hochkarätiges internationales Team gewinnen, das bereits seit Januar in verschiedenen Arbeitsphasen an diesem Pilotprojekt von LUCERNE FESTIVAL Young Performance arbeitet: Der luxemburgische Regisseur Dan Tanson, der 2011 und 2013 jeweils mit dem «YEAH! Young EARopean Award – Best Performance» ausgezeichnet wurde, bildet mit der Choreographin Laura van Hal das Kreativteam für Konzept und Inszenierung; musikalisch werden die Instrumentalisten von Erik Borgir gecoacht.

In der ersten Arbeitsphase im Januar ging es für die Musiker darum, die Bewegungsmöglichkeiten ihres eigenen Körper zu entdecken und ihre Bühnenpräsenz zu stärken. Da sie gewohnt waren, dass alle ihre Bewegungen ausschliesslich dem Instrumentalspiel zu dienen hätten, erweiterte die Erfahrung ganz unterschiedlicher Bewegungsqualitäten das Repertoire ihrer Möglichkeiten bereits nach wenigen Tagen erheblich und liess sie plötzlich «sichtbar» werden. Und das wiederum hatte einen unmittelbaren positiven Effekt für ihr Musizieren.

Um die musikalischen Inhalte ging es dann in der zehntägigen zweiten Arbeitsphase im März. Im Unterschied zur Vergabe eines Kompositionsauftrags, bei dem sich der Komponist zurückzieht, um eine – seine – Partitur fertigzustellen, die anschliessend vom LUCERNE FESTIVAL Young Performance - erste Proben (Foto: Priska Ketterer) Ensemble einstudiert und uraufgeführt wird, wollen wir den umgekehrten Weg gehen und die Kreativität der Instrumentalisten anzapfen: Welche Musik gespielt wird, können sie daher selbst vorschlagen, denn es ist uns wichtig, dass sie auf der Bühne mit «ihrer» Musik zu erleben sind. Die Vorschläge stammen aus den unterschiedlichsten Gattungen der Musikgeschichte. Das Ensemble hat die jeweils kurz musikalisch vorbereitet, bevor sie auf der Probebühne mit Dan Tanson und Laura van Hal auf ihr situatives oder szenisches Potential überprüft wurden: Spielen Harfe und Violine nur Noten gemeinsam oder agieren sie in dem Stück auch gemeinsam? Solche Momente, in denen Musik-Spiel und Bühnen-Spiel zusammenfallen und sich gegenseitig ergänzen, galt es zu entdecken und weiterzuverfolgen. Aus den etwa drei Stunden Musik, die die Instrumentalisten vorgeschlagen haben, konnten so rund 45 Minuten herausgefiltert werden, die dann in der in der Konzertperformance im Sommer zu hören und eben auch zu sehen sein werden.

Bis zur nächsten Arbeitsphase heisst es für die Musiker jetzt erst einmal: das musikalische Material auswendig lernen, um sich frei bewegen können! Und im Juli, wenn sie wieder zusammenkommen, berichten auch wir natürlich wieder im LUCERNE FESTIVAL Blog von diesem neuen Projekt.

Johannes Fuchs | Leitung Young

LUCERNE FESTIVAL Young Performances (Foto: Priska Ketterer)

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