«Schlüsselerlebnis» und «einzigartige Erfahrung». Bernard Haitinks Meisterkurs geht in die vierte Runde – vier junge Dirigentinnen und Dirigenten berichten

Mag sein, dass sich das Dirigieren letztlich nicht lernen lässt. Doch auch die talentiertesten jungen Orchesterleiter brauchen Übung und Tipps von erfahrenen Meistern. Und so bietet Bernard Haitink bereits zum vierten Mal bei LUCERNE FESTIVAL zu Ostern einen Meisterkurs an: Vom 11. bis 13. April können interessierte Hörer live mitverfolgen, was ein Dirigent alles können muss (und falsch machen kann), welch immense klangliche Auswirkungen selbst eine kleine Geste hat und wie eine Interpretation entsteht. Wir haben vorab vier ehemalige Teilnehmer gefragt, wie sie Bernard Haitinks Meisterkurs erlebt haben. Zwei von ihnen – der Spanier Francisco Valero-Terribas und der Rumäne Vlad Vizireanu – sind auch dieses Jahr wieder dabei.

Zoi Tsokanou
Ich hatte das grosse Glück, zweimal an Bernard Haitinks Meisterkurs in Luzern teilzunehmen. Bernard Haitink gelang es während des Unterrichts, uns jungen Dirigentinnen und Dirigenten eine Richtung aufzuzeigen, wie man, sich ganz auf das nötige Handwerk konzentrierend, Musik mit einem Sinn für formale Logik, grosse Linien und fliessende Natürlichkeit zum Klingen bringen kann. Für mich war es ein Schlüsselerlebnis, mit ihm während des Luzerner Meisterkurses arbeiten zu können. Seine natürliche Herangehensweise an die Musik ist für mich vorbildlich und einzigartig. Ich besuche oft seine Proben und Konzerte und hatte kürzlich sogar die Möglichkeit, ihm zu assistieren. Es ist ein grosses Geschenk, Bernard Haitink immer wieder als Künstler und Lehrer erleben zu dürfen!

Zoi Tsokanou beim Meisterkurs Bernard Haitink (Foto: Georg Anderhub, 2012)

Zoi Tsokanou bei Bernard Haitinks Meisterkurs, 2012 (Foto: Georg Anderhub)

Die in Thessaloniki geborene Dirigentin Zoi Tsokanou besuchte die Meisterkurse 2011 und 2012 und assistierte Bernard Haitink im vergangenen Monat beim Tonhalle-Orchester Zürich. 2013 zählte sie zu den Finalisten des Bamberger Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs. In der Schweiz widmet sie sich mit dem Arosa-Musik-Theater dem Opern-schaffen Johann Simon Mayrs. Mehr zu Zoi Tsokanou finden Sie hier.


Karina Canellakis
It was a dream of mine to participate in the Lucerne Master Class with Maestro Haitink because he is such a masterful musician and has been inspiring me for years. It was a very special experience to conduct the incredible Lucerne Festival Strings with Maestro Haitink standing just beside me. I could feel his commanding presence and the effect it had on the players, and somehow felt that by osmosis I was soaking up this magical ability to coax the orchestra in every phrase. His philosophy of “less is more” was revelatory for me, and I have since incorporated that into the gestures of my conducting in ways that have improved my communication with the orchestra tremendously. I was also overwhelmed at the level of my colleagues in the class, and learned so much from hearing the same works conducted in so many different ways. I think we all improved from watching each other, and from seeing how the others responded to Maestro Haitink’s teaching. I am very grateful for this experience and will keep it close in my mind for a long time.

Karina Canellakis beim Meisterkurs Bernard Haitink (Foto: Georg Anderhib, 2013)

Karina Canellakis bei Bernard Haitinks Meisterkurs, 2013 (Foto: Georg Anderhub)

2013 war ein wichtiges Jahr für die in New Yorker geborene Dirigentin
Karina Canellakis
: Sie nahm nicht nur an Bernard Haitinks Meisterkurs teil, sie gewann auch die von Marin Alsop ins Leben gerufene
Taki Concordia Conducting Fellowship und wurde zudem vom Dallas Symphony Orchestra als Assistentin berufen. Im Sommer 2014 ist sie «Conducting Fellow» in Tanglewood. Mehr zu Karina Canellakis finden Sie hier.


Francisco Valero-Terribas

Über seine erste Teilnahme schwärmt der spanische Dirigent Francisco Valero-Terribas, der auch dieses Jahr wieder nach Luzern kommt, sie sei eine «einzigartige Erfahrung» gewesen, die seine an sich schon hohen Erwartungen sogar noch «überboten» habe: Der Meisterkurs habe ihn «das Dirigieren als Teil der umfassenden musikalischen Interpretation» verstehen lassen. Bernard Haitink gleicht für Francisco Valero-Terribas einem «Zauberer»: «Er vermag im Orchester eine magische Atmosphäre zu erzeugen – das grenzt an ein Wunder.» Besonders beeindruckt habe ihn Haitinks «Liebe zur Musik, zu den Musikern und zu den Studenten» sowie sein «unglaublich ehrlicher, aufrichtiger Umgang mit der Musik»: Der niederländische Maestro verstehe sich – und das sei für ihn vorbildlich – als «überzeugter Verteidiger des Komponisten und des jeweiligen Werks».

Francisco Valero-Terribas beim Bernard Haitink Meisterkurs (Foto: Georg Anderhub, 2013)

Francisco Valero-Terribas bei Bernard Haitinks Meisterkurs, 2013 (Foto: Georg Anderhub)

Der spanische Dirigent Francisco Valero-Terribas nahm erstmals 2013 an Bernard Haitinks Meisterkurs teil. Zunächst als Solo-Klarinettist tätig, sammelte er wichtige Erfahrungen als Dirigent in Meisterkursen etwa von Kurt Masur und David Zinman, bei zahlreichen Wettbewerben sowie als Assistent von Jesús López-Cobos, Isaac Karabtchevsky und Yoel Levi. Mehr zu Francisco Valero-Terribas finden Sie hier.


Vlad Vizireanu
My first experience studying with Maestro Haitink was in March 2013 when I was accepted as a full participant in the LUCERNE FESTIVAL at Easter Master Class. At first I was incredibly nervous to be conducting in front of one of the greatest and most experienced conductors in the world and one of my idols. However, my first time on the podium with him was a pleasant surprise. He treated all of us with the utmost respect, kindness, and sincerity. His calm demeanor allowed me to be comfortable on the podium and his insightful comments opened my mind to a higher level of musicality and authority as a conductor. This year, I hope to have the privilege to further benefit from his wealth of knowledge. Since last year’s course, I have noticed incredible improvements in my technique and confidence on the podium. This has led me to many successes in my career. I feel that this Master Class was a stepping stone for me as a musician and I am very excited to continue to be part of it.

Vlad Vizireanu bei Bernard Haitinks Meisterkurs (Foto: Georg Anderhub, 2013)

Vlad Vizireanu bei Bernard Haitinks Meisterkurs (Foto: Georg Anderhub, 2013)

Der in Rumänien geborene Dirigent Vlad Vizireanu besucht in diesem Frühjahr bereits zum zweiten Mal Bernard Haitinks Luzerner Meisterkurs. Er gewann 2013 den Zweiten Preis beim Internationalen Dirigierwettbewerb im spanischen Cadaqués und wurde für den Sommer 2014 von Lorin Maazel als «Conducting Fellow» zum Castleton Festival eingeladen. Mehr zu Vlad Vizireanu finden Sie hier.

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