«Llámame Claudio». Lucas Macías Navarro erinnert sich an Claudio Abbado

Claudio Abbado (Foto: LUCERNE FESTIVAL/Peter Fischli)

Claudio Abbado (Foto: LUCERNE FESTIVAL/Peter Fischli)

Morgen, am 6. April 2014, ehrt LUCERNE FESTIVAL mit einem Gedenkkonzert Claudio Abbado, der am 20. Januar 2014 verstorben ist. Der Oboist Lucas Macías Navarro, seit 2008 Mitglied im LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA, erinnert sich an einen aussergewöhnlichen Künstler und Menschen.

Es ist schon fast zehn Jahre her, und doch weiss ich, dass ich nie vergessen werde, was ich damals gefühlt habe: Mein Herz schlug wie verrückt. An jenem Tag erlaubte das Schicksal, dass für mich ein Traum Realität wurde – und für mehr als hundert andere junge Musikern ebenso.

Wir waren mit dem Gustav Mahler Jugendorchester in Bozen (im Norden Italiens) und bereiteten ein Mahler-Programm vor: die Neunte Sinfonie und den Abschied aus dem Lied von der Erde. Plötzlich öffnete sich die Tür zum Probensaal, das Orchester brach ab, und er erschien, der grosse Maestro Claudio Abbado – für mich der «Schutzengel» junger Musiker. In der Probenpause kam sein Assistent zu mir und sagte: «Abbado möchte mit dir sprechen.» Mir blieb die Luft weg. Ich begann zu zittern, und als ich zu ihm kam, streckte er mir seine Hand hin. «Maestro», sprach ich ihn an. «Nenn mich Claudio», antwortete er mir.

Eine Kleinigkeit nur, die seine Persönlichkeit dennoch perfekt definiert, vor allem seinen Umgang mit jungen Musikern. Es schien sogar, als würde er mehr Bewunderung für uns verspüren als wir für ihn. Jetzt, viele Jahre später und nachdem ich selbst Teil eines der weltbesten Orchester geworden bin, kann ich ihn vollkommen verstehen. Denn es fehlt in der professionellen Musikwelt sehr an jenem Enthusiasmus, jener Motivation, jenem Respekt und jener Liebe für die Musik, die wir zusammen mit ihm gelernt haben. Stattdessen dreht sich alles um Routine: um Proben, Konzerte, Tourneen … Ein Beruf, oder eher noch: eine Arbeit. Wo aber bleibt die Leidenschaft für die Musik? Wo das Gefühl, durch das, was du machst, privilegiert zu sein, die Musik mit deiner ganzen Seele zu lieben, ihr zu dienen und sie – auf einer nachgeordneten Ebene – auf dem höchstmöglichen Niveau zu interpretieren?

All das war seine Lebensphilosophie, das Vermächtnis, das er uns allen hinterlassen hat, die wir das Privileg hatten, ihn kennenzulernen und Musik mit ihm zu machen. Es war diese Grundüberzeugung, die ihn so viele Orchester für junge Musiker – und nicht bloss für die Jugend – gründen liess, denen er diese Werte einprägte. Das beste Beispiel dafür ist das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA – die totale Perfektion in Form eines Orchesters. Danke, «hombre» (so haben wir uns gegenseitig genannt, nach Jahren der Freundschaft)! Danke, dass Du mich musikalisch so wertgeschätzt hast wie kein anderer. Danke, dass Du uns gelehrt hast, dass es in der Musik – genau wie im Leben – am wichtigsten ist, einander zuzuhören.

Auf ewig, Claudio.

Han pasado ya casi diez años, pero sé que lo que sentí aquel día no se me olvidará nunca. Mi corazón latía de una forma abrumadora. Aquel día, el destino me permitiría hacer mi sueño realidad, y el de más de un centenar de jóvenes músicos. Estabamos en Bolzano (norte de Italia) preparando un programa mahleriano, 9ª Sinfonía y el Adiós de La canción de la tierra, con la Joven Orquesta Gustav Mahler. De repente, la puerta de la sala de ensayo se abrió, la orquesta paró, y ahí apareció él, el gran maestro Claudio Abbado. Para mí, el «ángel de la guarda» de los jóvenes músicos. En la pausa del ensayo, su asistente se me acercó y me dijo: «Abbado quiere hablar contigo.» Me quedé sin respiración. Empecé a temblar, y en cuanto llegó, me tendió su mano. «Maestro», le dije. «Llámame Claudio», me contestó él.

Este detalle define perfectamente su personalidad. Su trato, sobre todo, con los jóvenes músicos. Parecía que él sentía incluso más admiración por nosotros que nosotros por él.
Y ahora, años más tarde, e incluso formando parte de una de las orquestas más prestigiosas del mundo, lo puedo comprender a la perfección. Se echa mucho en falta en el mundo profesional ese entusiasmo, esa motivación, ese respeto y amor a la música que hemos aprendido junto a él. Se vuelve todo una rutina: ensayos, conciertos, giras … Una profesión, un trabajo más. Pero, ¿dónde está esa pasión por la música? ¿Dónde ese sentimiento de sentirse privilegiado por lo que haces, de amar la música con toda tu alma, de estar al servicio de ella, en un segundo plano, y de intentar interpretarla al más alto nivel?

Todo esto es y ha sido su filosofía de vida, el legado humano que nos ha dejado a todos los músicos que hemos tenido el privilegio de conocerle, de hacer música junto a él.
De ahí que haya creado tantas formaciones para jovenes músicos, y no sólo para jóvenes. Y de ahí que les haya inculcado todos estos valores. El mejor ejemplo, la Orquesta del Festival de Lucerna, la excelencia total en forma de orquesta. Gracias, «hombre» (es como nos llamábamos el uno al otro, después de años de amistad). Gracias por haberme valorado musicalmente como nadie lo ha hecho. Gracias por enseñarnos que en la música, como en la vida misma, lo más importante es escucharse los unos a los otros.

Hasta siempre Claudio.

Lucas Macías Navarro | Solo-Oboist des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA
(Übersetzung: Malte Lohmann)

Das Gedenkkonzert als Live-Stream, im Radio und im TV:
Alle, die nicht dabei sein können, haben die Möglichkeit, das Gedenkkonzert für Claudio Abbado auf unserer Homepage live mitzuverfolgen oder im Radio nachzuhören:

  • im Live-Stream auf arte.web.tv und auf unserer Homepage: Sonntag, 6. April 2014 | 16.00 Uhr
  • im TV auf SRF 1 (ergänzt um Interviews): Sonntag, 6. April 2014 | ab 23.20 Uhr
  • im Radio bei SRF 2 Kultur: Donnerstag,10. April 2014 | 20.00 Uhr
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