VERONA 3000 – ein waghalsiges Musical-Experiment, Teil 2

Verona 3000_c_Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVALAm kommenden Freitag, dem 9. Mai 2014, feiert «Verona 3000» Premiere: Über 100 Mitwirkende aus der ganzen Zentralschweiz stecken hinter diesem Projekt, das sich – in Anlehnung an Shakespeares Teenagertragödie «Romeo und Julia» – mit dem «Jungsein im dritten Jahrtausend» auseinandersetzt. Aber wie entwickelt man eine gute Story? Und wie findet man die passende Musik? Daniel Korber (Buch und Regie) und Joseph Sieber (Musikalische Leitung und Komposition) berichten.

Wie das Stück entstand
Die Entwicklung der Story begann mit einem Blick auf Shakespeares Teenagertragödie Romeo und Julia. Dieses 500 Jahr alte Stück behandelt – neben der Liebe – viele zeitlose Themen: von Gewalt, Sexualität und den Rollenbildern von Mann und Frau über die Spannungen zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft bis hin zur Betäubung der Sinne, zu Selbstmord und Tod. Wir fragten uns: Was hat sich in den letzten 500 Jahren geändert? Und was hat sich erst in den letzten zehn Jahren geändert? Durch gemeinsame Brainstormings und das schauspielerische Ausprobieren von Figuren und Texten näherten wir uns «Stück für Stück» der Story, die wir nun zeigen.

Schon sehr früh waren wir uns einig, dass «VERONA 3000» zwar aktuell sein sollte, dass wir aber nicht versuchen wollten, die Welt genau so abzubilden, wie sie ist. Vielmehr hielten wir Ausschau nach Selbstverständlichkeiten und kleinen Details, wie wir sie eigentlich jeden Tag antreffen, und haben nach Wegen gesucht, diese Dinge in einem neuen Licht zu zeigen. Shakespeare blieb die ganze Zeit über unsere Inspirationsquelle, und die grossen Ereignisse von Romeo und Julia kommen auch in unserer Handlung noch vor – einfach etwas verdreht und auf den Kopf gestellt. So spielt «VERONA 3000» nun in einer überdrehten, schrägen Phantasiewelt … die allerdings von der unseren nicht weit entfernt ist.

Die Story
Zur Bekämpfung der Jugendgewalt stellt die «grosse Zentrale» auf öffentlichen Plätzen riesige «Hypertaser» auf, die pöbelnde Jugendliche per Stromstoss ruhigstellen. Und um den weltweiten Jugendunruhen etwas entgegenzusetzen, lanciert der mächtige Medienkonzern «Globe TV» die Realityshow VERONA 3000. Die Sendung sucht ein neues Traumpaar à la Romeo und Julia und verspricht Reichtum und Ruhm für die beste Teenagerliebe der Welt. Eine unfreiwillige Kandidatin und ein lebensmüder Zuschauer verlieben sich. Obwohl die beiden auf keinen Fall berühmt werden möchten, gehen die Bilder ihrer ersten Begegnung um die ganze Welt und plötzlich müssen sie für ihre Ungestörtheit ihr Leben aufs Spiel setzen. Die Grenzen zwischen «Reality» und «Show» lösen sich auf, und auf den Strassen schlagen Jugendliche die Scheiben ein …

Die Musik
Musik war schon immer ein bedeutendes Identifikationsmittel von Jugendbewegungen und hat somit im Stück wie auch im gesamten Projekt besonderes Gewicht. Die heterogene Zusammensetzung des Ensembles und der Musikerinnen und Musiker prägt die Neukomposition der rund 110-minütige Bühnenmusik, die jeden Abend von 25 ChorsängerInnen, SolistInnen, RapperInnen und einem 35-köpfigen Orchester mit Band live präsentiert wird. Die rund 20 Songs sind in Form, Genre und Besetzung den Gegebenheiten des Stücks, aber auch den individuellen Stärken und Vorlieben der Darstellenden angepasst. Dadurch geben sie Einblicke in das musikalische Profil der jungen Generation: Pop, Funk, Soul, Hip-Hop und Jazz bilden die Schwerpunkte – und wer aufmerksam mithört, wird musikalische Leitmotive (Melodien, Rhythmen, Harmonien, Instrumente) bemerken, die immer wieder auftauchen und die verschiedenen Charaktere und Situationen unterstreichen.

Seit Beginn der Probenarbeit sind die Darstellenden, von denen der Grossteil vor diesem Projekt noch keine oder nur wenige sängerische Erfahrungen gemacht hatte, zu einem kräftigen Bühnenchor zusammengewachsen. Durch das Erarbeiten verschiedener Chorliteratur, durch Stimm- und Gehörbildung sowie Rhythmus- und Körperübungen haben wir uns auf die anspruchsvolle Aufgabe eines Musical-Darstellers vorbereitet: Gesang, Bewegung und Schauspiel in einem zu präsentieren.

Tickets und Informationen unter www.verona3000.ch

Daniel Korber und Joseph Sieber sind die Künstlerischen Co-Leiter von «Verona 3000». Bereits vor einer Woche haben sie im LUCERNE FESTIVAL Blog berichtete, wie die vage Idee zum konkreten Projekt wurde.

LUCERNE FESTIVAL ist von diesem Projekt begeistert und unterstützt «Verona 3000» als Presenting Partner.

Aktion von Verona 3000 in der Luzerner Altstadt (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

Aktion von Verona 3000 in der Luzerner Altstadt (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

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