Ein Kammermusik-Gipfel auf dem Gipfel. Fragen an Diemut Poppen, die Künstlerische Leiterin der «Rigi Musiktage»

Blick vom Dach des KKL Luzern auf die Rigi (Foto: Georg Anderhub)

Blick vom Dach des KKL Luzern auf die Rigi (Foto: Georg Anderhub)

Wie kam es zur Idee, ein Kammermusik-Festival auf der Rigi zu lancieren?
Schon in meiner Kindheit habe ich die Berge fast ebenso sehr geliebt wie die Musik. In den letzten zehn Jahren habe ich meine Sommerferien dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA und Claudio Abbado gewidmet und irgendwann in dieser Zeit die Rigi entdeckt. Dort oben in der Ruhe fand ich eine zweite Heimat. Nun möchte ich die Musik auf den Berg bringen, mit einem kleinen, aber feinen Festival, den «Rigi Musiktagen». Es war ein Glücksfall, auf Menschen zu stossen, die ähnliche Gedanken hegten und mich unterstützt haben: auf den Pianisten Ivo Haag aus Ebikon und den Geschäftsführer der «Rigi Musiktage» Roland Meier (in der Region bekannt von KlangMeggen). Auch Christiane Weber vom Festival sowie die RigiPlus und der Rigi Kulturkreis stehen mir bei.

Warum ein der Kammermusik gewidmetes Festival?
Für mich als leidenschaftliche Kammermusikerin die natürlichste Sache der Welt! Ich habe schon in Deutschland, Spanien und Portugal Kammermusikfestivals ins Leben gerufen – und nun auch in der Schweiz. Ich bin Bratschistin und ich brauche die Kammermusik wie die Luft zum Atmen. Überdies ist die Kammermusik unbestritten eine der höchsten Kunstformen: Stellen Sie sich vor, Sie versammeln bei einer Podiumsdiskussion eine kleine Gruppe unterschiedlicher Persönlichkeiten, die alle gleichzeitig reden und den anderen dennoch zuhören können – und das auch noch in verschiedenen Sprachen. Jeder ordnet sich ein in ein grosses Ganzes, und das ergibt nicht nur einen tiefen Sinn, sondern ist von überwältigender Schönheit. Ist das nicht auch psychologisch höchst interessant? Die Kammermusik: ein Gesellschaftsideal! Übrigens hat auch Claudio Abbado im LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA immer den allergrössten Wert auf ein kammermusikalisches Musizieren und gegenseitiges Zuhören gelegt.

Was ist das Besondere dieses Ortes und wie wird er die Atmosphäre der Musiktage prägen?
Die Rigi wird zu Recht «die Königin der Berge» genannt. Man kann stundenlang wandern, auch fast steigungslos, und hat eine herrliche Aussicht in alle Richtungen. Schon Goethe notierte in seinem Tagebuch über die Rigi: «rings die Herrlichkeit» (so lautet das Motto der «Rigi Literaturtage», die im September stattfinden). Die Rigi ist ein Kraftort. Als autofreier Berg ist sie von einer Atmosphäre der Ruhe und Reinheit geprägt: Man atmet auf. Besonders liebe ich die Felsenkapelle (wo die Konzerte am nächsten Samstagabend und Sonntagnachmittag stattfinden werden) neben der Quelle, der der Ort Rigi Kaltbad seinen Namen und das schöne Thermalbad von Mario Botta zu verdanken hat. Es gibt im Übrigen auch hervorragende Hotels und Restaurants auf der Rigi, in denen man vor oder nach dem Konzert essen kann.

Wie kam es zur Auswahl der in diesem ersten Jahr mitwirkenden KünstlerInnen und des Programms?
Für meine Lieblingsquintette von Schubert und Mozart habe ich ein Streichquartett und ein Violoncello gesucht – und mich sehr über die spontane Zusage der russischen Cellistin Natalia Gutman und des Merel Quartetts um den in Luzern geborenen Cellisten Rafael Rosenfeld gefreut. Langfristig möchten wir sowohl internationale Künstler als auch hochkarätige Schweizer Musiker einladen. Die Musik von Johann Sebastian Bach passt zur harmonischen Atmosphäre der Rigi und eignet sich besonders für die kleinen Kirchen in Rigi Kaltbad. Bach wird deshalb immer einen roten Faden im Programm bilden. Ausserdem widmen wir uns Komponisten, die selbst auf der Rigi waren, in diesem Jahr Johannes Brahms, der die Rigi im September 1856 von Gersau aus bestieg.

Ist geplant, das Festival auch in den kommenden Jahren fortzuführten?
Ja! Es wird darauf ankommen, ob wir in Zukunft eine breite Unterstützung für dieses Festival an diesem speziellen Ort erhalten. Wir können uns auch Konzerte in anderen Lokalitäten vorstellen. Einstweilen freuen wir uns über jeden Zuhörer, der am kommenden Wochenende den Weg zu den «Rigi Musiktagen» findet. Die Rigi ist ja leicht erreichbar: mit der Rigibahn von Weggis, Vitznau oder Goldau – und auf der Fahrt fängt der Kurzurlaub schon an.

Die «Rigi Musiktage» finden am 19. und 20. Juli in Rigi Kaltbad in der Felsenkapelle und in der Reformierten Bergkirche statt. Das detaillierte Programm finden Sie hier.

Diemut Poppen (Foto:: Böckelmann)

Diemut Poppen (Foto:: Böckelmann)

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Eine Antwort auf Ein Kammermusik-Gipfel auf dem Gipfel. Fragen an Diemut Poppen, die Künstlerische Leiterin der «Rigi Musiktage»

  1. Irene Fröhlich-Wiener sagt:

    Wir freuen uns sehr dieses Jahr mit dabei zu sein – Kammermusik und tiefes Verständigung zwischen Menschen jenseits von Sprache zu erleben. In einer Zeit der Verunsicherung von „Ewigen Werten“ wird dies eine Oase der Kommunikation und Friedens, im Einklang mit der schönen Natur sein.

    Danke Diemut Poppen für Deine grossartiges Bemühen, dies auf der Rigi zu organisieren.

    Irène Fröhlich-Wiener

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