«Er ist ein Poet». Festival-Intendant Michael Haefliger über Andris Nelsons

Andris Nelsons und Michael Haefliger (Foto: Marco Borggreve/LUCERNE FESTIVAL)

Andris Nelsons und Michael Haefliger (Foto: Marco Borggreve/LUCERNE FESTIVAL)

Im August wird Andris Nelsons die vier Konzerte des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA leiten. Festival-Intendant Michael Haefliger berichtet, wie er den lettischen Shootingstar erstmals erlebt hat und was er an ihm besonders schätzt.

Herr Haefliger, wann haben Sie Andris Nelsons das erste Mal im Konzert erlebt?
Das war im Sommer 2009, hier bei LUCERNE FESTIVAL. Wir hatten Andris Nelsons mit «seinem» City of Birmingham Symphony Orchestra eingeladen, und er dirigierte ein mitreissendes Programm: Neben zwei Meeresmusiken – Brittens Four Sea Interludes und Debussys La Mer – hatte er Berlioz’ Les Nuits d’Été und Ravels La Valse ausgewählt.

Und wie war Ihr damaliger Eindruck?
Grossartig! Ich erlebte einen unglaublich begeisternden Musiker: Ich bewundere Andris Nelsons’ grosse Natürlichkeit im Umgang mit der Musik, seine Klarheit, seine enormen gestalterischen Fähigkeiten und seine Sensibilität. Er ist für mich ein Poet: Auch wenn immer wieder seine mitreissende Energie bestaunt und betont wird, hat er doch diese poetische Feinfühligkeit. Er vermag den Klang zu formen, kann die Musik ganz aus dem Moment heraus kreieren und noch im Konzert, im Augenblick des Musizierens, völlig neue Ideen entwickeln und auch umsetzen. Das ist immer wieder überraschend und führt das Orchester sehr nah an ihn heran: Die Musikerinnen und Musiker leben jede Aufführung voller Spannung mit.

Warum haben Sie gerade Andris Nelsons ausgewählt, die Konzerte des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA im ersten Sommer nach dem Tod von Claudio Abbado zu leiten?
Das hat mehrere Gründe. Zum einen haben wir ja in den letzten Jahren eine enge Beziehung zu Andris Nelsons aufgebaut. Ich erinnere nur daran, dass er im Sommer 2012 unser «artiste étoile» war. Wir waren bereits über weitere, neue Projekte im Gespräch, da lag diese Lösung einfach nahe. Ausserdem bin ich überzeugt, dass er diese schwere Aufgabe sehr einfühlsam und mit viel Respekt lösen wird. Das hat er bereits beim Gedenkkonzert für Claudio Abbado beim diesjährigen Oster-Festival unter Beweis gestellt. Und schliesslich ist Andris Nelsons, wie schon gesagt, ein grosser Künstler – und einer, der die Musikerinnen und Musiker mit seiner Emotionalität packen wird. So einen braucht das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA in diesem besonderen Sommer.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Was prognostizieren Sie für die weitere Karriere von Andris Nelsons?
Er hat ja trotz seiner jungen Jahre schon eine riesige Karriere hinter sich! Und die wird er weiterentwickeln. Das mitzuverfolgen dürfte sehr spannend werden, zumal er sich schon jetzt die Orchester aussuchen kann, mit denen er zusammenarbeiten möchte. Er hat also eine unglaublich grosse Freiheit – und die wird er nutzen.

Das Interview führte Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

Auch ausgewählte Musikerinnen und Musiker des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA haben in einer kleinen Serie über ihre Erfahrungen mit Andris Nelsons berichtet. Am 15. August eröffnet der lettische Shootingstar LUCERNE FESTIVAL im Sommer – im Konzertsaal des KKL und beim Public Viewing auf dem Luzerner Inseli.

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2 Antworten auf «Er ist ein Poet». Festival-Intendant Michael Haefliger über Andris Nelsons

  1. LUCERNE FESTIVAL sagt:

    Sehr geehrte Frau Schoch,

    vielen Dank für Ihre Mail. Ihre Prognose von 2009 hat ins Schwarze getroffen, und wir teilen Ihre Begeisterung für Andris Nelsons natürlich voll uns ganz. Sein Luzerner Debüt im Sommer 2009 war so mitreissend, dass er gleich im Folgejahr wieder mit dem CBSO bei uns gastierte und 2012 dann als „artiste étoile“ das Programm prägte. Nun also zwei Brahms-Programme am Pult des Festivalorchester … wir sind sehr gespannt!

    Mit herzlichem Gruss,
    Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

  2. Schoch Ursula sagt:

    Sehr geehrter Herr Haefliger

    So gross der Verlust von Claudio Abbado für die gesamte Musikwelt ist – ich freue mich aus musikalischen und menschlichen Gründen unendlich, dass Sie für diese schwere, ehrenvolle Aufgabe nun Andris Nelsons ausgewählt haben. Er bringt mir die Musik nahe wie kein anderer seiner Generation; seine Dirigate begeistern und berühren mich seit Jahren zutiefst! Ich besuche seine Konzerte im näheren Umfeld so oft es mir möglich ist. Im Februar 2009 erlebte ich ihn zum ersten Mal in der Tonhalle Zürich (wo ich einst in der Verwaltung arbeitete), u. a. mit Straussens „Heldenleben“. „Diesen Namen müsst ihr euch merken, das wird ein ganz Grosser!“ rief ich meinen Freund/innen damals begeistert zu und schätze mich ausserordentlich glücklich, bei Ihnen und der sonstigen Fachwelt auf entsprechendes Echo zu stossen.

    Ein sehr herzliches Danke und auf wunderbare Konzerte

    Ursula Schoch, Olsberg

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