Musik ins Bild setzen oder: Wie lässt sich Klassik visualisieren?

LUCERNE FESTIVAL im Sommer steht 2014 unter dem Motto «Psyche»

LUCERNE FESTIVAL im Sommer steht 2014 unter dem Motto «Psyche»

Alljährlich steht LUCERNE FESTIVAL im Sommer unter einem Motto – 2014 lautet es «Psyche» –, das sich wie ein roter Faden durch die Programme zieht. Und alljährlich entwickelt der Markenentwickler Interbrand ein dazu passendes Visual. Aber wie entsteht so ein Visual eigentlich? Fragen an Jürgen Kaske, Creative Director bei Interbrand.

Herr Kaske, Ihre Visuals thematisieren (und pointieren) das jeweilige Luzerner Festivalthema, die unseren Konzerten übergeordnete inhaltlich-programmatische Klammer. Dennoch zunächst die grundsätzliche Frage: Was lässt sich im Hinblick auf die Musik eigentlich in ein Visual «übersetzen»? Die Musik selbst oder doch eher ihre Wirkung – also Emotionen, Reaktionen des Publikums, die Konzertsituation?
Musik transportiert und evoziert wie keine andere Kunstform Emotionen. Sie ist sozusagen ein farbiges Klangbild: fröhlich, traurig, lustig, melancholisch, laut, leise usw. Für LUCERNE FESTIVAL haben wir das über die Farbigkeit gelöst: Die Vielfarbigkeit visualisiert und symbolisiert die einzelnen Töne und musikalischen Klangwelten.

Und was zeichnet ein gelungenes Visual aus?
Ein gelungenes Visual regt den Betrachter auf eine intelligente und überraschende Weise zum Nachdenken an und kommuniziert erst auf den zweiten Blick. Es soll neugierig und Lust auf das Thema machen.

Welche inhaltliche und graphische Idee steckt hinter dem diesjährigen Visual?
«Psyche» war ein sehr schwierig umzusetzendes und facettenreiches Festivalthema, da die menschliche Psyche ja etwas Unsichtbares, nicht Greifbares ist. Als Idee steht «hinter» unserem Visual das eigene Reflektieren, das «Hinter-etwas-Schauen». LUCERNE FESTIVAL lässt durch Programmgestaltung unterschiedlichste Aspekte von «Psyche» lebendig werden. Jeder Konzertbesucher wird sich aber zu diesem Thema sein eigenes Bild machen.

Wie entsteht so ein Visual? Wie schnell werden zum Beispiel einige Aspekte des Festival-Themas ausgewählt bzw. andere weggelassen?
Am Anfang steht immer ein Briefing mit dem Team von LUCERNE FESTIVAL – dem Künstlerischen Büro und den Marketing-Verantwortlichen – und uns. Auf dieser Basis wird dann intern bei uns in der Agentur ein Brainstorming durchgeführt. Alle beteiligten Designer setzen sich daraufhin mit den Ideen dieses Brainstormings auseinander und kreieren erste Visualisierungen, die dann in der Gruppe diskutiert werden. Anschliessend fliessen die überzeugendsten Ideen in eine Präsentation ein. LUCERNE FESTIVAL entscheidet sich dann aus dem Fundus für eine Idee. Für jedes Themen-Visual entwickeln wir zwischen 5 und 10 Visual-Ideen – leider findet natürlich immer nur eine den Weg nach draussen …

Inwieweit geht es Ihnen darum, über die Jahre hinwegeine klare Linie in die Visuals von LUCERNE FESTIVAL zu bringen? Anders gefragt: Inwieweit wird die Ideenfindung durch die Vorjahre bestimmt oder gar eingeschränkt?
Wir haben im Rahmen unseres Sponsoring-Engagements als «Partner in Communication» für LUCERNE FESTIVAL ein einzigartiges, im Festivalbereich differenzierendes Brand Design entwickelt und definiert. Denn eine Wiedererkennbarkeit ist sehr wichtig, um die Marke nachhaltig in den Köpfen zu verankern und LUCERNE FESTIVAL auch über die Landesgrenzen hinaus erlebbar und wiedererkennbar zu machen.

Gibt es im Bereich «Visuals für Klassische Musik» graphisch oder inhaltlich Dinge, die man tunlichst vermeiden sollte?
«Explore Classical Music», das Motto von LUCERNE FESTIVAL, lässt grundsätzlich alles zu und es gibt heutzutage wohl nichts, was nicht geht! Ausser es ist ethisch und moralisch nicht vertretbar.

Die Fragen stellten Verena Sponsel und Malte Lohmann | LUCERNE FESTIVAL

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