Musik im Kokon. Die Ark Nova in Sendai

Menschenschlange vor der Ark Nova. Damit nicht zu viel Luft entweicht, betreten die Besucher die Halle einzeln durch Drehtüren (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Menschenschlange vor der Ark Nova. Damit nicht zu viel Luft entweicht, betreten die Besucher die Halle einzeln durch Drehtüren (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Für die Eröffnung der zweiten Runde von Ark Nova reiste ich Anfang November nach Japan, das erste Mal überhaupt. Von Tokio aus ging es direkt nach Sendai. Dort angekommen, freute ich mich, dass es nur eine einzige U-Bahn gab. Denn so gelangte ich ohne Verständnis- und Orientierungsschwierigkeiten in die Nähe unserer mobilen Konzerthalle, die bereits seit Oktober auf einer Freifläche zwischen dem Messezentrum Shozankan und einer Fakultät der Tōhoku-Universität aufgebaut worden war.

Das Projekt Ark Nova, entstanden nach der Erdbebenkatastrophe vom 11. März 2011 durch die Initiative von Michael Haefliger und Masahide Kajimoto, dem Präsidenten der Konzertagentur Kajimoto, wird an Orten durchgeführt, die in Teilen zerstört wurden und immer noch im Wiederaufbau befindlich sind. 2013 feierte die Ark Nova in der Nähe der Stadt Matsushima Premiere. Nun, in Sendai, befand sie sich erstmals in einem urbanen Umfeld. Und genau dieser Standort liess den mobilen Bau noch organischer wirken: Beim Näherkommen tauchte zwischen den Häusern plötzlich eine auberginefarbene Wölbung auf; abends sah sie fast wie ein überdimensioniertes Herz aus. Alle Passanten blickten sich verwundert um – als ob hier gerade ein Ufo gelandet sei.

Annäherung an die Halle (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Annäherung an die Halle (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Für dieses Design verantwortlich ist der britisch-indische Künstler Anish Kapoor, der einen ähnlichen Raum 2011 im Pariser Grand Palais, in einem Innenraum also, präsentiert hatte. Für Ark Nova haben der Architekt Arata Isozaki und sein Büro Kapoors Design für den Aussenbereich fit gemacht. Beim Betreten der Halle wird mir ihre enorme Grösse erst richtig bewusst: Besonders die 18 Meter hohe, kathedralenhafte Decke fasziniert bei einer Halle, deren Statik im Grunde aus Luft besteht. Genauer: durch das ständige Einblasen von Luft entsteht, das im Innenraum einen Überdruck erzeugt.

Der beeindruckende Innenraum der Ark Nova (Foto: Keiko Komori/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Der beeindruckende Innenraum der Ark Nova (Foto: Keiko Komori/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Die Idee, den Leidtragenden in der Tōhoku-Region mit Musik Kraft und Zuversicht zu geben, spiegelt sich in diesem Raumkonzept. Denn es fühlt sich ein wenig so an, als befinde man sich in einem Kokon – und sei somit geschützt. Und doch besteht durch die gedämpften Geräusche der Stadt eine Verbindung nach aussen. Zudem ändert sich die Lichtstimmung in der Halle während des Konzerts innerhalb von Sekunden, je nach Lichteinfall von aussen. Mal ist die Oberfläche strahlend pink, wenige Augenblicke später fast schwarz. Hölzerne Akustikwände und ein Heliumballon, der über der Bühne schwebt, sorgen dafür, dass alle Besucher überall in der Konzerthalle gut hören. Eine besondere Atmosphäre also, auf die sich die Musiker ebenso einlassen müssen wie die Besucher!

Katharina Schillen | Presse & Öffentlichkeitsarbeit

In der Ark Nova wechselt das Licht mit der Sonneneinstrahlung (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

In der Ark Nova wechselt das Licht mit der Sonneneinstrahlung (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Die Solisten des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA nach ihrem Konzert (Foto: Keiko Komori/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Die Solisten des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA nach ihrem Konzert (Foto: Keiko Komori/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Der Star der Japaner: Wolfram Christ vor der Ark Nova (Foto: Manabu Matsumoto)

Der Star der Japaner: Wolfram Christ vor der Ark Nova (Foto: Manabu Matsumoto)

Michael Haefliger, Arata Isozaki und Masahide Kajimoto nach der offiziellen Eröffnung. Michael Haefliger: «Wir möchten das Projekt auch in Zukunft weiterführen und im kommenden Jahr wieder Menschen in Japan den inspirierenden Besuch dieser mobilen Konzerthalle ermöglichen. In den kommenden Jahren planen wir die Halle in New York und in der Schweiz aufzubauen.» (Foto: Yu Terayama, LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

Michael Haefliger, Arata Isozaki und Masahide Kajimoto nach der offiziellen Eröffnung. Michael Haefliger: «Wir möchten das Projekt auch in Zukunft weiterführen und im kommenden Jahr wieder Menschen in Japan den inspirierenden Besuch dieser mobilen Konzerthalle ermöglichen. In den kommenden Jahren planen wir die Halle in New York und in der Schweiz aufzubauen.» (Foto: Yu Terayama, LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA)

 

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