Schenken und beschenkt werden: Musik für Ohren und Augen

Welche Musik hört wohl der Weihnachtsmann, wenn er sich nach den hektischen Festtagen endlich eine Auszeit nehmen kann? Sicherlich nicht die üblichen Winter-Hits wie «White Christmas», die ihm in den kommenden Wochen ohnehin von überall entgegenschallen. Wir schlagen ihm folgende Alternativen vor:

gallery_image_size-big.3D-Cover-'Herzog-Blauberts-Burg'«Ein bissel Humus darf schon sein, wenn etwas blühen soll, nur Mist darf es nicht werden», lautet ein ironisches, gegen die Makellosigkeit des Musizierens gewandtes Bonmot Rafael Kubelíks. Wie sehr der tschechische Dirigent die Musik erblühen lassen konnte, zeigt sein Live-Mitschnitt von Béla Bartóks einziger Oper Herzog Blaubarts Burg, die er im Sommer 1962 in Luzern dirigierte – und nie im Studio eingespielt hat. «Wir haben einige Aufnahmen aus unserem Plattenschrank geprüft, alle von herausragenden Dirigenten geleitet (Kertész, Solti, Boulez, Fricsay), aber nur die letztgenannte lässt sich Kubelíks Version zur Seite stellen», urteilte das Fachmagazin Scherzo begeistert.

ACC20282_Cover_300 dpiEr war einer der grössten Pultstars – und die prägende Luzerner Künstlergestalt des letzten Jahrzehnts: Im Januar verstarb Claudio Abbado, und im Andenken an ihn sind seither gleich mehrere CDs und DVDs erschienen. Besonders berührend erweist sich seine Deutung von Bruckners Neunter Sinfonie, die er bei seinem letzten Auftritt überhaupt dirigierte. In Bild und Ton zeigt ihn eine DVD, die Abbados Eröffnungskonzert mit dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA aus demselben Sommer 2013 festhält: Die sensible Bildregie macht noch einmal das vertrauensvolle Miteinander von Abbado und «seinen» Musikern, die fast kammermusikalische Intimität seines Musizierens mit diesem «Orchester der Freunde» erfahrbar. Und wer Abbados Jahrzehnt an der Spitze des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA in toto Revue passieren lassen möchte, dem empfehlen wir das Buch Das Wunder von Luzern (mit zahlreichen Fotos).

95641_3D DPac_2400x2400Wilhelm Furtwänglers Darbietungen von Beethovens Neunter Sinfonie waren legendär, die überlieferten Tondokumente geniessen bis heute einen geradezu mythischen Ruf: Furtwänglers energiegeladene Berliner Deutung etwa, die er 1942 vor zahlreichen Nazigrössen dirigierte, ja ihnen geradezu entgegenschleuderte. Oder die berühmte Bayreuther Aufführung von 1951. Und natürlich seine allerletzte Aufführung der Neunten, die er drei Jahre später, wenige Monate vor seinem Tod, in Luzern leitete und die der Schweizer Rundfunk damals glücklicherweise aufzeichnete. Die Originalbänder wurden nun für die Reihe «LUCERNE FESTIVAL Historic Performances» neu remastert: Chor, Orchester und Solisten «singen und spielen zum Niederknien aufregend. Eine aufregende aufwühlende akustische Zeitreise ins Ungeglättete, Rauhe, Elementare. Unverzichtbar!» (Der Neue Merker)

erichsinger_lucernefestival_flash_neuMan kann Musik hören, man kann sie aber auch anschauen. Zum Beispiel, indem man Erich Singers reich illustrierte Festspielgeschichte Von Toscanini bis Abbado zur Hand nimmt: ein wunderbarer Wälzer, der die vergangenen Jahrzehnte auf 400 Seiten ebenso kenntnis- wie anekdotenreich nachzeichnet, unterschiedlichste Zeitzeugen zu Wort kommen lässt – und die Vergangenheit mit zahllosen Fotos verlebendigt. Erhältlich im Festival-Webshop oder (ohne Portokosten) bei Ihrem Buchhändler.

Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

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