LUCERNE FESTIVAL zu Ostern eröffnet die Luzerner Festspielsaison. Fünf Fragen an Michael Haefliger

Mariss Jansons in Luzern, 2014 (Foto: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Mariss Jansons in Luzern, 2014 (Foto: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Herr Haefliger, Ihr Vater, der Tenor Ernst Haefliger, wurde insbesondere auch für seine Auftritte als Evangelist in den Bachschen Passionen gerühmt. Insofern dürfte das Osterfest schon in Ihrer Kindheit stark mit Musik verbunden gewesen sein?
Ja, die Passionszeit war immer eine Zeit der Hochspannung. So durften wir als Kinder oft mitreisen zu den vorösterlichen Konzerten meines Vaters. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen zehntätigen Aufenthalt in Amsterdam, wo ich ihn bei den Proben mit Eugen Jochum besuchen konnte. Allerdings waren Bachs Passionen für uns Kinder nicht nur ein Erlebnis, sondern auch eine Belastung: Eine Aufführung der Matthäus-Passion dauerte bei den damals noch viel monumentaleren Interpretationen ja rund vier Stunden. In besonders schöner Erinnerung habe ich die Münchner Auftritte meines Vaters. Ich habe damals in einem Knabenchor gesungen, der bei den Bach-Konzerten von Karl Richter mitwirkte (es war unser Schulchor, der dafür engagiert wurde). Ich stand also gemeinsam mit meinem Vater auf der Bühne.

Auch das Luzerner Oster-Festival ist – wie der Name schon sagt – ganz auf die Passionszeit und das Osterfest ausgerichtet. Was reizt Sie an dieser programmatischen Profilierung? Und wie hat sie sich in den vergangenen Jahren verändert?
Es gibt ja viele berühmte Oster-Festivals, doch haben sie oft gar nichts mit dem kirchlichen Fest zu tun. Auch in Luzern hat man 1988 zunächst sinfonisch begonnen, dann aber haben sich diese ersten Festspiele des Jahres rein kirchlich entwickelt. Nach dem Bau des KKL Luzern wollte man den Konzertsaal natürlich auch zu Ostern nutzen, sodass sich das Festival zuletzt zwischenzeitlich stärker in diese Richtung profiliert hat. Dieses Jahr wagen wir aber eine Trendwende. Wir sind wieder stärker in den Kirchen vertreten: Die erste Festivalhälfte findet in der Hof- und der Jesuitenkirche statt, die zweite dann im KKL, aber auch dort steht die Sakralmusik im Mittelpunkt. Auch freue ich mich, dass gleich zwei «Young»-Veranstaltungen stattfinden, da wir diesen Bereich ja grundsätzlich stärken wollen.

Ist ein Schwerpunkt mit geistlicher Musik in der heutigen, zunehmend säkularisierten Welt überhaupt noch sinnvoll?
Geistliche Musik ist eben nicht so populär wie zum Beispiel sinfonische. Dabei hat sie einen ganz eigenen, intimen Charakter. Und die Auseinandersetzung mit den Sakralwerken und ihren Botschaften ist auch heute wichtig.

Zum besonderen Profil des Oster-Festivals trägt auch die Residenz der Klangkörper des Bayerischen Rundfunks bei. Wie hat sich diese Zusammenarbeit über die Jahre entwickelt?
Sehr gut! Es handelt sich einfach um ein grossartiges Orchester und einen fantastischen Dirigenten, die eine ganz enge Beziehung zum Festival pflegen. Mariss Jansons liegt das Oster-Festival besonders am Herzen, und er geht mit seinen Programmen immer auf unseren sakralen Themenschwerpunkt ein. Da die Luzerner Residenz des Bayrischen Rundfunks stets ein Chor- und ein Sinfoniekonzert umfasst, kommt das Publikum zudem in den Genuss, den BR-Chor zu erleben, ein Spitzenensemble. Ich freue mich sehr auf Dvořáks Stabat Mater, das man ja nicht alle Tage im Konzert hören kann. Bei uns stand es zuletzt 1993, vor 22 Jahren also, auf dem Programm.

Auf welche Konzerte des diesjährigen Oster-Festivals sind Sie darüber hinaus besonders gespannt?
Auf das Debut von Teodor Currentzis mit seinem Ensemble Musica Aeterna, von dem ich bislang nur CD-Aufnahmen kenne. Er ist ja eine schon fast sagenhafte Gestalt – eine Persönlichkeit mit Nimbus –, dieser Grieche, der nach Russland gegangen ist, um dort seine eigene Welt aufzubauen. Sein Beispiel zeigt, dass auch heute noch das «Nicht-Normale», Non-Konforme möglich ist. Sehr speziell und berührend sind überdies immer unsere vorösterlichen A-cappella-Konzerte – diesmal mit dem jungen belgischen Ensemble Vox Luminis. Und auch auf die Schweizer Premiere der Brüder Löwenherz bin ich gespannt: Das ist eine Kinderoper von Helmut Oehring nach Astrid Lindgren, die wir gemeinsam mit der Dresdner Semperoper in Auftrag gegeben haben.

Die Fragen stellte Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

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