«Klassische Musik ist voller komischer Elemente». Kurt Aeschbacher über Musik und Humor

Wenn die Lucerne Festival Strings und das Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen am kommenden Dienstag, dem 18. August, Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere» interpretieren, dann führt der Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher als Erzähler durchs Geschehen – mit einem ungemein witzigen Text auf Bärndütsch. Wie hält’s der «Aeschbi» mit Humor im Konzertsaal?

Herr Aeschbacher, wann haben Sie das letzte Mal im Konzert gelacht?
Leider schon lange nicht mehr. Im Konzertsaal geht es ja meist furchtbar ernst zu. Wer lacht, entpuppt sich dort als vermeintlicher Banause. Denn für viele gilt: E-Musik heisst ernste Töne und griesgrämige Miene. Dabei haben die grossen Komponisten immer wieder wunderbar ironische Sequenzen in ihre Partituren geschmuggelt. Mozart war einer der grössten Witzbolde, und auch bei Haydn, sogar bei Beethoven gibt’s so viele witzige Anspielungen. Darum kann ich nur sagen: Liebe Konzertgänger, habt Mut zum Lachen und Schmunzeln, denn E-Musik ist oft heiterer, als wir vermuten!

Kurt Aeschbacher ist am 18. August mit Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere» zu erleben (Foto: Media Relations Schweizer Fernsehen)

Kurt Aeschbacher ist am 18. August mit Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere» zu erleben (Foto: Media Relations Schweizer Fernsehen)

Nicht nur das Publikum scheint die humorvolle Seite der klassischen Musik manchmal zu verkennen. Auch Camille Saint-Saëns untersagte nach einer (halb-)privaten Darbietung des «Karneval der Tiere» jede weitere Aufführung – wahrscheinlich weil er um sein Renommee als «seriöser» Komponist fürchtete. Wie komisch darf die «Ernste Musik» also sein?
Ernste Musik muss uns ja nicht nur traurig machen. Sie soll uns hauptsächlich emotional berühren – und da gehören Lachen wie Weinen dazu. Komisch im humoristischen Sinn ist ein Musikstück dann, wenn es uns den Spiegel vorhält und uns mit den eigenen Eitelkeiten konfrontiert. So wie Camille Saint-Saëns dies mit seiner «zoologischen Fantasie» gelingt: einem Werk voller musikalischer Anspielungen und tierischer Eigenheiten, die durchaus an menschliche Züge erinnern.

Sie haben für den «Karneval der Tiere» einen eigenen Text in Mundart beigesteuert, der durchs musikalische Geschehen führt: Wie rücken Sie die witzigen Seiten dieser Partitur ins rechte Licht?
Ich kann nur hoffen, dass es den Musikern und mir gelingt, das Publikum zum Schmunzeln zu bringen: mit eitlen Schwänen, eleganten Waldameisen, tollpatschigen Elefanten und einem eingebildeten, altersschwachen Löwen, der als Staatschef nicht von der Macht lassen kann. Kommt uns ja alles ziemlich bekannt vor, oder?

Und welche musikalischen Werke bringen Sie sonst noch zum Lachen?
Da gibt’s eine ganze Reihe: Mozarts Da-Ponte-Opern, Verdis Falstaff, Sonaten von Haydn oder Beethoven, ja sogar beim ernsten Richard Strauss die Eulenspiegel(eien) und und und … Klassische Musik ist voller komischer Elemente, wie auch das Luzerner Sommer-Festival dieses Jahr beweist.

«Humor ist, wenn man trotzdem lacht», lautet ein bekanntes Bonmot. Was verstehen Sie unter Humor?
Ich fechte lieber mit dem Florett als mit dem Säbel, drum ist für mich Humor sicher kein schenkel-klopfender Brachialakt, sondern eher eine Spielerei mit Zwischentönen.

Die Fragen stellte Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

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Eine Antwort auf «Klassische Musik ist voller komischer Elemente». Kurt Aeschbacher über Musik und Humor

  1. Bei Mozart gibt es soviele Stellen, die getraut man nicht mal heute zu veröffentlichen.
    Sie sind natürlich nicht nur humorvoll, sondern auch obszön!
    Hier ein relativ harmloser Text

    Bona nox!
    bist a rechta Ochs;
    bona notte,
    liebe Lotte;
    bonne nuit,
    pfui, pfui;
    good night, good night,
    heut müßma noch weit;
    gute Nacht, gute Nacht,
    scheiß ins Bett daß‘ kracht;
    gute Nacht,
    schlaf fei‘ g’sund und
    reck‘ den Arsch zum Mund.

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