«Bierernst und museal sollte es nicht sein». Star-Klarinettistin Sabine Meyer über Musik, Humor … und Humor in der Musik

Wann haben Sie das letzte Mal im Konzert gelacht?
Es gibt natürlich viele Konzerte, in denen man nicht zum Lachen gebracht werden soll, zum Beispiel bei einer Mahler-Sinfonie oder bei den späten Streichquartetten von Beethoven. Trotzdem: Bierernst und museal sollte es nicht sein. Richtig witzig sind natürlich manche Weltklasse-Formationen wie Igudesman & Joo oder Mnozil Brass.

Wie komisch ist die «Ernste Musik»?
Der Ausdruck «Ernste Musik» ist meines Erachtens nach völlig missglückt: Weder ist die sogenannte «E-Musik» notwendigerweise ernst, noch sind in der «U-Musik» alle Werke heiter oder gar belanglos. Die «Ernste Musik» kann und muss alle Bereiche der menschlichen Gefühle abdecken und wiedergeben. Ein Requiem ist natürlich ernst, aber eine Serenade oder ein Divertimento sind fröhlich und unbeschwert. Es gibt so wunderbar humorvolle Musik, beispielsweise von Joseph Haydn oder Mozart, aber auch von vielen anderen Komponisten.

Die Klarinettistin Sabine Meyer tritt am 30. August bei LUCERNE FESTIVAL auf (Foto: Steven Haberland)

Die Klarinettistin Sabine Meyer tritt am 30. August bei LUCERNE FESTIVAL auf (Foto: Steven Haberland)

«Humor ist, wenn man trotzdem lacht», lautet ein bekanntes Bonmot. Was verbinden Sie mit den Worten «Humor» und «Witz»?
Früher verstand man unter «Witz» ja eher Geist und Raffinesse. Insofern haben Witz und Humor für mich immer einen intellektuellen Anspruch. Über den Witz in den Tageszeitungen oder in einer seichten Fernsehshow kann man eher weinen, aber der echte Humor (wie etwa in den berühmten jüdischen Witzen) zeugt immer von grosser Geistesschärfe, Menschenkenntnis und vor allem von tiefer Menschenliebe.

Welcher (unfreiwillig) komische Zwischenfall im Konzert ist Ihnen unvergesslich?
Ich hatte vor längerer Zeit einmal zu einem Auftritt meinen Schäferhund Baermann mitnehmen müssen. Während des Konzerts schlief er friedlich in der Garderobe, aber bei der Zugabe vergass ich, die Garderobentür zu schliessen. So sass dann Baermann vor der Bühnentür und bellte in jeder kleinen Pause ganz laut, auf dass man ihn hereinlasse. Das Konzert war übrigens eine Live-Übertragung im Rundfunk, und so hörte man da in der Zugabe das Trio di Clarone mit deutlicher, tierischer vierter Stimme.

In Luzern bringen Sie Márton Illés’ Klarinettenkonzert «Re-akvarell» zur Uraufführung. Wie würden Sie dieses neue Werk charakterisieren? Und wie gross sind die Herausforderungen an Sie als Solistin – denn die Partitur verlangt ungewohnte Spielweisen, mikrotonale Einfärbungen und extreme Virtuosität insbesondere im zweiten Satz?
Marton Illés ist ein ausgesprochen klangsensibler Komponist. Er versucht aus den Instrumenten die ungewöhnlichsten Farben und Klänge hervorzuholen, auch mit völlig ungewöhnlichen Griffkombinationen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes manchmal «unerhört». Sein neues Stück Re-akvarell ist sehr schwer zu spielen, weil man diese Griffkombinationen natürlich nicht gewohnt ist. Manchmal fühlt man sich dabei wieder wie ein Anfänger auf dem Instrument. Aber die Komposition ist sehr dicht und der Solopart auch eng mit dem Orchester verwoben, sodass ich überzeugt bin, dass es eine starke Wirkung haben wird.

Sabine Meyer ist am kommenden Sonntag, dem 30. August, zusammen mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg zu erleben und hebt das neue Klarinettenkonzert «Re-akvarell» des ungarischen Komponisten Márton Illés aus der Taufe. 

Die Fragen stellte Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

Dieser Beitrag wurde unter Alle Beiträge, Im Fokus: Künstler, Konzerte, Werke abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *