Das unentdeckte Land: Die Zukunft – Teil 2

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Nach Beethovens Fünfter: Ein Klassiker hinterlässt Spuren (alle Fotos: Stefan Deuber)

Mehr oder weniger unvermittelt sieht man sich knapp 900 Zuschauern gegenüber, und das Instrument ist entschieden dagegen, Töne zuzulassen: So oder ähnlich sieht der Angst- und Alptraum eines jeden Musikers aus – am vergangenen Samstag wurde er für uns Realität. Wir sassen mit den Baumarkt-Instrumenten des Basler Künstlers Johannes Willi vor dem gut gefüllten Konzertsaal im KKL und sollten Beethovens Fünfte Sinfonie spielen. Aus den Streichinstrumenten kam kein Ton heraus, aus den Blasinstrumenten nur annäherungsweise das, was man zu hören gewohnt ist. Der einzige, aber bedeutende Unterschied zu einem Alptraum: Es war ein grossartiges, unvergessliches Konzerterlebnis!

Joosten Ellée uns seine Geige im Erstkontakt

Joosten Ellée und seine Geige im Erstkontakt

Von der erwartbaren humoristischen Wirkung dieser dritten «Soundzz.z.zzz…z»-Produktion einmal abgesehen, entstand etwas, das ich mir bei der Lektüre der Projektbeschreibung nicht erträumt hätte: eine Neuinterpretation von Beethovens Fünfter Sinfonie nämlich, die auf eine völlig neuartige Art und Weise ernst zu nehmen war. Die masslose Anzahl uninspirierter und teilweise handwerklich schlechter Deutungen dieses Klassikers können einem eigentlich nur zuwider sein. Bis auf wenige Ausnahmen hat heutzutage kein Orchester mehr den Mut, die Sinfonie wirklich neu zu interpretieren. Aber wieso eigentlich nicht? Was wäre sonst die Daseinsberechtigung für die unzähligen, nahezu identischen CD-Aufnahmen?

Es mag absurd klingen, aber im «Presto» des Schlusssatzes, als alle Musiker noch einmal äusserste Risiken eingingen, bekam ich richtig Gänsehaut. Und ich werde mich später wohl an keine andere Aufführung von Beethovens Fünfter so gut erinnern können – so viel ist sicher!

P.S.: Ein kleiner ergänzender Nachruf sei mir gestattet: Ich hatte am Sonntagvormittag das Glück, dem allerletzten Gastspiel des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg in Luzern beizuwohnen. Es war das mit Abstand bewegendste Orchesterkonzert mit zeitgenössischer Musik, das ich je gehört habe – und ich habe mich geschämt, als ich den anderen, nicht aus Deutschland stammenden Teilnehmern der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY erklären musste, dass dieser Klangkörper nur noch ein Jahr lang existiert …

Joosten Ellée

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Nach Beethovens Fünfter: Ein Klassiker hinterlässt Spuren (alle Fotos: Stefan Deuber)

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