«LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA ist ein Community-Projekt». Festival-Intendant Michael Haefliger über das Gastspiel in Fukushima

(Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

(Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Vom 24. Oktober bis zum 3. November fand zum bereits dritten Mal LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA statt, diesmal in Fukushima – in jener Stadt also, die 2011 am stärksten von der japanischen Erdbeben- und Tsunamikatastrophe betroffen wurde und noch immer am direktesten mit ihr assoziiert wird. War das den Veranstaltungen anzumerken?
Ja, stärker noch als in Sendai und Matsushima. Ich selbst bin zuvor noch nie in Fukushima gewesen. Der Ort liegt ja nicht am Meer, wurde vom Tsunami also nicht direkt betroffen, aber umso langfristiger sind die Folgen der Nuklearkatastrophe. Der Bürgermeister von Fukushima, Herr Kaoru Kobayashi, ist ein sehr initiativer Mensch, der sich der zahlreichen Probleme annimmt: der aufwendigen Säuberungsarbeiten etwa oder der Frage der Eltern nach den langfristen Folgen für ihre Kinder. Mein Eindruck ist, dass die Wirkung von ARK NOVA hier am stärksten war. Das zeigte sich nicht zuletzt auch an der Unterstützung durch die Regierung und die Behörden, die sich für das Gastspiel eingesetzt und es nachdrücklich beworben haben.

Die aufblasbare Konzerthalle ist ein Hingucker, passt sich aber auch in ihre jeweilige Umgebung ein. Wie wirkte das Zusammenspiel in Fukushima?
Die ARK NOVA ist diesmal in einer ländlichen, hügeligen Gegend «gelandet» – insofern ähnelte das Setting ein wenig der Situation im idyllischen Matsushima. Es ist schon ein tolles Erlebnis, wenn die auberginefarbene Hülle der Konzerthalle bei der Anfahrt plötzlich sichtbar wird, sozusagen wie ein fremdartiges «Marsgeschöpf» auftaucht.

Was hat Sie besonders begeistert?
Wie schon im letzten Jahr traten auch dieses Mal Solisten des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA auf: 2013 und 2014 reiste jeweils eine Streicherbesetzung um Wolfram Christ nach Japan, in Fukushima gestalteten nun Ensembles um Jacques Zoon und Reinhold Friedrich gleich zwei Konzerte. Reinhold Friedrich stand zusammen mit befreundeten japanischen Musikern auf der Bühne – hier wurde der Gedanke des kulturellen Austauschs also besonders deutlich.

Das entspricht der Kernidee der ARK NOVA, die ein «Begegnungsort» sein will.
Genau, die ARK NOVA ist ein Community-Projekt, keine Eventhalle. Das zeigt sich auch im Publikum, das sicherlich viel durchmischter ist als das übliche Konzertpublikum. Unsere «neue Arche» beschenkt die betroffenen Regionen mit Musik, stärkt den Zusammenhalt und ist ein Ort des Gedenkens und der Erinnerung an die Katastrophe von 2011.

Trompeter Reinhold Friedrich mit Fans – der Intendant fotografiert (Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Trompeter Reinhold Friedrich mit Fans – der Intendant fotografiert (Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Konzert mit Jacques Zoon, Solo-Flötist des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA (Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Konzert mit Jacques Zoon und Iseut Chuat, Solo-Flötist und Cellistin im LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA (Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Die aufblasbare Konzerthalle– ein «fremdartiges Marschgeschöpf» (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Die aufblasbare Konzerthalle– ein «fremdartiges Marsgeschöpf» (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Schlagzeuggewitter (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Schlagzeuggewitter (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Begeistertes Publikum (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Begeistertes Publikum (Foto: Yu Terayama/LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA 2015)

Dieser Beitrag wurde unter Alle Beiträge abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *