«Als er zu spielen anfing, hat der Boden vibriert.» Ein Kinder-Workshop mit Cameron Carpenter

Für einen Kinder-Workshop ins KKL: Alexa, Dunja, Clara und Nina haben den Organisten Cameron Carpenter getroffen Luzern, den 21.11.2016 Copyright: Priska Ketterer/ LUCERNE FESTIVAL

Für einen Kinder-Workshop ins KKL: Alexa, Dunja, Clara und Nina haben den Organisten Cameron Carpenter getroffen (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

Fast wie die Orgelpfeifen stehen sie da: Alexa (9), Dunja (8), Clara (11) und Nina (12) haben gerade einen von LUCERNE FESTIVAL YOUNG organisierten Workshop mit dem amerikanischen Orgel-Tausendsassa Cameron Carpenter besucht. Und sind noch spürbar beeindruckt von dessen «International Touring Organ», einem von Cameron selbst entwickelten volldigitalen Instrument. «Es war schon ziemlich laut, aber ich fand’s gut», erzählt Alexa. «Als er zu spielen anfing, hat der Boden vibriert, und dann hat mein Herz immer stärker geschlagen.» Richtiggehend erschreckt worden sei sie von einem «plötzlichen lauten Ton aus dem Lautsprecher direkt hinter mir».

Was haben sie gedacht, als sie die Camerons Orgel mit ihrer Lautsprecherbatterie sahen? Hatten sie ein solches Ungetüm erwartet? Für Clara sah der Spieltisch eher wie ein Klavier aus. Auf einem Schulausflug habe sie bereits einmal eine Kirchenorgel gesehen, aber die war ganz anders: «weniger kompliziert, nicht so viele Knöpfe».

Drei der Mädchen spielen Klavier, und zwei von ihnen hatten den Mut, sich auf Carpenters Schemel zu setzen und seine «International Touring Organ» selbst auszuprobieren. Clara mit einem Stück, dessen Titel ihr nun nicht mehr einfallen will: zarte Arpeggien, die Carpenter mit immer neuen Registrierungen in immer neue Klangfarben taucht. «Während ich spielte, hat er Knöpfe gedrückt und gedreht.» Alexa wiederum entscheidet sich für den Flohwalzer, dem Carpenter eine aparte Glockenregistrierung verpasst: Plötzlich läutet es im grossen Konzertsaal des KKL wie von hundert Kirchtürmen. «Am Ende, bei den ganz tiefen Glockentönen, dachte ich, dass sich jemand als Samichlaus verkleidet hat und glockenbimmelnd hinter den Boxen hervor auf die Bühne tritt», berichtet Alexa.

Cameron Carpenter setzt sich auch selbst ans Instrument. Und er erzählt: dass er sich eigentlich mehr als Orgelbauer denn als Interpret sieht, als einen spielenden Orgeldesigner sozusagen. Dass die Orgel nicht aus der Kirche komme, wie viele denken, sondern bereits im antiken Griechenland existiert habe («Bitte immer alles hinterfragen!»). Dass sie mit einer Stadt vergleichbar sei («Ganz verschiedene Quartiere und Bewohner – und überall ist etwas los: Hier relaxen Menschen im Park, dort brennt’s. Der Organist muss all diese verschiedenen Ereignisse überblicken.»). Und dass es beim Musikmachen darauf ankomme, Energie und Imagination zu vermitteln.

Vor allem aber sind die jungen Teilnehmer dieses Workshops an Carpenters «International Touring Organ» interessiert. Warum fünf der Fusspedale eine andere Farbe hätten, wollen sie wissen («Das sind diejenigen Pedale, die über den üblichen Tonumfang hinausgehen.»). Und wie lange es gedauert habe, bis das Instrument fertig gewesen sei («zehn Jahre für die Konzeption, anderthalb Jahre für den Bau»). Mal schauen, wer daheim den Wunsch äussert, auch Orgel spielen zu wollen …

Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

 

Kinder-Workshop mit Cameron Carpenter (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

Kinder-Workshop mit Cameron Carpenter (alle Fotos: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

Kinder-Workshop mit Cameron Carpenter (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

Kinder-Workshop mit Cameron Carpenter (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL)

 

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