«BRANDNEUE INSTRUMENTE HABEN ES IN DER GUNST DER PIANISTENGILDE EHER SCHWER». Klavierbaumeister Christian Graf über die alten und den neuen Konzertflügel des KKL

Selected! Jean-Yves Thibaudet und Christian Graf vor dem Instrument ihrer Wahl (Foto: Werner Wohlwend)

Selected! Jean-Yves Thibaudet und Christian Graf vor dem Instrument ihrer Wahl (Foto: Werner Wohlwend)

Ende Februar reiste eine kleine Abordnung Luzerner Kulturschaffender gemeinsam mit dem Pianisten Jean-Yves Thibaudet in den Norden, nach Hamburg, um einen neuen Konzertflügel für das KKL auszuwählen. Wir haben Christian Graf, der das KKL als Konzerttechniker betreut, zu den bisherigen Instrumenten und der Neuanschaffung befragt. 

Wie sah das «Flügelsortiment» im KKL bislang aus? Haben die gastierenden Künstler einen Liebling unter den bisherigen Instrumenten?
Bisher gab es vier Steinway-Konzertflügel, wobei der älteste Probesaalflügel mit der Neuanschaffung ausrangiert wurde. Insofern handelt es sich nicht um eine Erweiterung , sondern um eine «Auffrischung». Ob eines der Instrumente bevorzugt wird, lässt sich so pauschal nicht beantworten. Zwar haben einige Pianistinnen und Pianisten ihr Lieblingsinstrument. Andere dagegen wählen gerne immer wieder aus, denn die Instrumente sowie die Vorlieben der Künstler verändern sich ja im Laufe der Zeit. Unterm Strich kann man sagen, dass es weder ein «Waisenkind» noch einen «Favoriten» unter den bisherigen Flügeln gibt.

Willkommensbeflaggung: Die Schweizer Fahne in Hamburg (Foto: Christiane Weber)

Willkommensbeflaggung: Die Schweizer Fahne in Hamburg (Foto: Christiane Weber)

Habt Ihr bei einem solchen Ankauf eine ganz genaue Vorstellung, was Ihr wollt? Oder ist solch eine Auswahl nie vollends planbar, weil die Instrumente vor Ort dann doch immer überraschen mit ihrem ganz eigenen Charakter?
Ja, wir wählen sehr gezielt aus. Diesmal hatten wir acht Instrumente zur Auswahl. Wir suchten insbesondere einen Flügel, der erstens bestmöglich als Ergänzung zu unserem bestehenden Flügelpark passen und zweitens in allen Registern und dynamischen Bereichen eine sehr grosse Klangvielfalt aufweisen sollte, um für das gesamte Repertoire von Scarlatti bis Prokofjew einsetzbar zu sein. Natürlich sind wir gespannt, wie das ausgewählte Instrument dann vor Ort klingt. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass es keine bösen Überraschungen geben wird. Im Übrigen wird die klangliche Feinausarbeitung ohnehin im Konzertsaal stattfinden.

Wie setzt sich solch eine «Auswahltruppe» zusammen? Und wer gibt am Ende den Ausschlag?
Neben mir als Vertreter von Musik Hug und betreuendem Konzerttechniker waren bei dieser Auswahl je eine Person vom KKL und von LUCENRNE FESTIVAL sowie der wunderbare Pianist Jean-Yves Thibaudet mit dabei. Er kennt den Luzerner Konzertsaal sehr gut und hat uns im gegenseitigen Einvernehmen zielsicher zum richtigen Instrument geführt.

Stattliche Auswahl (Foto: Christiane Weber)

Stattliche Auswahl (Foto: Christiane Weber)

Lagt Ihr in der Vergangenheit immer richtig, oder gibt es Instrumente, die begeistert angeschafft wurden, dann aber nicht besonders gut ankommen?
Die bisherigen Auswahlen der Neuanschaffungen fürs KKL sind immer seriös und nach bestem Wissen und Gewissen abgelaufen. Gleichwohl ist es möglich, dass die jeweiligen Flügel bei diesem oder jenem Maestro auf Ablehnung stossen können. Brandneue Instrumente haben es in der Gunst der Pianistengilde eher schwer, man muss ihnen etwas Zeit geben … Deswegen ist es sinnvoll, Instrumente unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Charakteren auf Lager zu haben. Unser Anspruch ist es, den Wünschen und Vorlieben aller Künstler gerecht zu werden.

Kann jeder Pianist im KKL sein Instrument für das Konzert auswählen?
Im Prinzip schon, oft wird aber im Vorfeld von der Künstleragentur gar keine Flügelauswahl angemeldet bzw. gewünscht. In diesen Fällen stellen wir das unserer Meinung nach am besten für das jeweilige Programm geeignete Instrument zur Verfügung.

Und gibt es viele Sonderwünsche hinsichtlich der Stimmung oder der Manipulation der Mechanik?
Sonderwünsche kann es gerade bei solistischen Einsätzen immer geben, sie betreffen allerdings weniger die Stimmung als vielmehr klangliche oder spieltechnische Belange. Alfred Brendel war in dieser Hinsicht übrigens sehr anspruchsvoll, und wir haben bis kurz vor Einlass des Publikums intensiv am Flügel gearbeitet …

Wann wird der neue Flügel in Luzern eingeweiht?
Das ist noch nicht genau definiert, aber sicherlich im Laufe des Aprils.

Die Fragen stellte Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

And the winner is ... (Foto: Christiane Weber)

And the winner is … (Foto: Christiane Weber)

 

Dieser Beitrag wurde unter Alle Beiträge, Insight LUCERNE FESTIVAL abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *