Festspielgeschichte im Überblick, Teil 8: 2000–2009

Standing Ovations nach dem Concert de Gala, dem ersten Auftritt des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA unter Claudio Abbado, 2013 14.08.03 Foto:Priska Ketterer

Standing Ovations nach dem ersten Auftritt des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA unter Claudio Abbado, 2013 (Foto: Priska Ketterer/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Entscheidende Weichenstellungen für die Luzerner Festspiele: Pünktlich zum neuen Jahrtausend ist das KKL Luzern komplett betriebsbereit. Und mit dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA und dem LUCERNE FESTIVAL ACADEMY werden zwei prägende Säulen etabliert.

2000
Das KKL Luzern ist nun komplett betriebsbereit: Im Rahmen des sommerlichen Eröffnungskonzerts wird am 17. August die neue Goll-Orgel im grossen Konzertsaal eingeweiht. Zur Feier seines 75. Geburtstags ist Pierre Boulez mit dem London Symphony Orchestra «in residence». Um junge Musiktalente zu fördern, werden zwei jährlich alternierende Auszeichnungen eingeführt: der «Prix Credit Suisse Jeunes Solistes» (ab 2001) und der gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern, der Gesellschaft der Musikfreunde Wien und der Credit Suisse Foundation vergebenen «Credit Suisse Young Artist Award», den erstmals Quirine Viersen gewinnt. Weitere Preisträger der folgenden Jahre sind u. a. Patricia Kopatchinskaja, Sol Gabetta, Martin Helmchen, Antoine Tamestit und Vilde Frang.


2001
Die Internationalen Musikfestwochen Luzern heissen neu LUCERNE FESTIVAL. «Schöpfung» lautet das Thema des Sommers, der mit dem poetischen Feuerspektakel «Das KKL in Flammen» eingeläutet wird. Weitere Höhepunkte sind die Schweizer Erstaufführung von Luigi Nonos Prometeo (mit dem Ensemble Modern unter Ingo Metzmacher) und die Luzerner Erstaufführung von Mahlers Achter Sinfonie (mit Franz Welser-Möst und dem Gustav Mahler Jugendorchester). Sol Gabetta erhält den erstmals vergebenen «Prix Credit Suisse Jeunes Solistes». Trotz der Terroranschläge des 11. September setzt das Chicago Symphony Orchestra seine Luzerner Residenz fort.


2002
Erster Auftritt von Christian Thielemann, der mit den Münchner Philharmonikern beim Oster-Festival gastiert. Pierre Boulez und Olga Neuwirth prägen als «composers-in-residence» das Sommer-Programm.


2003
Beginn einer neuen Ära: Mit einem «Concert de Gala» stellt sich das von Claudio Abbado und Intendant Michael Haefliger gegründete LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA vor. Es setzt sich aus international renommierten Solisten, Kammermusikern, Musikprofessoren und Mitgliedern des Mahler Chamber Orchestra zusammen und knüpft an Arturo Toscaninis legendäres «Elite-Orchester» an, mit dem 1938 die Geschichte der Festspiele begann. Mit einer Aufführung der Auferstehungssinfonie starten Abbado und sein «Orchester der Freunde» ihren umjubelten Mahler-Zyklus; ihre Konzerte finden grosse mediale Beachtung und weren in der ganzen Welt ausgestrahlt. Zudem führt Pierre Boulez eine LUCERNE FESTIVAL PREVIEW ACADEMY durch.


Pierre Boulez mit Studierenden der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY, 2010 (Foto: Georg Anderhub/LUCERNE FESTIVAL)

Pierre Boulez mit Studierenden der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY, 2010 (Foto: Georg Anderhub/LUCERNE FESTIVAL)

2004
Mariss Jansons und die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks beginnen ihre jährliche Residenz beim Oster-Festival. Die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY wird als Institution fest im Festival verankert: als weltweit einzigartige Ausbildungsinstitution für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Harrison Birtwistle ist erster Preisträger der Roche Commissions, eines zweijährlich vergebenen Werkauftrags an bedeutende zeitgenössische Komponisten. Das Piano-Festival wird erstmals um «Piano Off-Stage» ergänzt, Auftritte internationaler Jazz-Pianisten in ausgewählten Bars und Restaurants.


2005
Das verheerendste Hochwasser seit 1910 zwingt die Festspielleitung beim Sommer-Festival, das u. a. durch «composer-in-residence» Helmut Lachenmann geprägt wird, zur Absage von gleich sieben Konzerten. Ihr erstes Auslandsgastspiel führt Abbado und das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA nach Rom. In den folgenden Jahren gastieren sie u. a. in der Suntory Hall in Tokio (2006), in der New Yorker Carnegie Hall (2007; Boulez und David Robertson anstelle von Abbado) und im Wiener Musikverein (2008), bei den Londoner Proms, in Paris, Madrid, Hamburg, Baden-Baden, Ferrara, Moskau und Peking.


2006
Matthias Pinscher stellt sich erstmals vor: Zusammen mit HK Gruber prägt er als «composer-in-residence» die Programme. Michael Gielen leitet die erste Luzerner Gesamtaufführung von Schönbergs Gurre-Lieder.


Drei Orchester: Die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY mit Karlheinz Stockhausens "Gruppen", 2007

Drei Orchester: Die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY mit Karlheinz Stockhausens “Gruppen”, 2007

2007
Die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY realisiert eine Aufführung von Stockhausens Gruppen, an der neben Boulez, Peter Eötvös und Jean Deroyer auch drei junge Absolventen des Dirigier-Meisterkurses mitwirken: Pablo Heras-Casado, Kevin John Edusei und Lin Liao. Ein neues, von Boulez angeregtes Projekt wird lanciert: der Bau einer «Salle modulable», eines flexiblen Saals für das Musiktheater.


Bernard Haitink dirigiert das Chamber Orchestra of Europe, 2011 (Foto: Peter Fischli/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Bernard Haitink dirigiert das Chamber Orchestra of Europe, 2011 (Foto: Peter Fischli/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

2008
Bereits im Januar, ausserhalb der drei Festivals also, finden Gedenkkonzerte zum 100. Geburtstag Herbert von Karajans mit den Berliner Philharmonikern, Seiji Ozawa und Anne-Sophie Mutter statt. Im Sommer beginnt Bernard Haitink seine regelmässige Luzerner Zusammenarbeit mit dem Chamber Orchestra of Europe: mit einem grossen Beethoven-Zyklus (bis 2009), dem Aufführungsreihen u. a. mit sämtlichen Konzerten und Sinfonien von Brahms (2011/12) und Schumann (2014) folgen.

2009
Dr. Hubert Achermann wird Präsident der Stiftung LUCERNE FESTIVAL. Als Kontrapunkt zum Festivalthema «Natur», den u. a. die beiden «composers-in-residence» Kaija Saariaho und Jörg Widmann vertiefen, rückt die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Werke mit Live-Elektronik ins Zentrum, darunter Boulez’ Répons.

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