Festspielgeschichte im Überblick, Teil 9: 2010–2016

Riccardo Chailly nach seinem ersten Auftritt als Chefdirigent des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA (Foto: Stefan Deuber/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Riccardo Chailly feiert seinen Einstand als Chefdirigent des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA mit Mahlers Achter Sinfonie, 2016 (Foto: Stefan Deuber/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Und schliesslich sind wir in der Gegenwart angekommen mit unserem Überblick über die lange Luzerner Festspielgeschichte.

2010
Der Sommer steht unter dem Motto «Eros» und bringt mehrere halbszenische Opernaufführungen: Claudio Abbado leitet am Pult des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA Beethovens Fidelio, Esa-Pekka Salonen und das Philharmonia Orchestra sind mit Wagners Tristan und Isolde (mit Videos von Bill Viola) zu Gast. Erstmals ist das Schweizerische Tonkünstlerfest mit zahlreichen Uraufführungen ins Sommer-Festival integriert.


2011
In Reaktion auf die japanische Erdbebenkatastrophe vom 11. März lanciert Michael Haefliger das Projekt LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA: eine von Anish Kapoor und Arata Isozaki entwickelte mobile Konzerthalle, die zum kulturellen Wiederaufbau der betroffenen Regionen beitragen soll. Bernard Haitink beginnt seine österlichen Meisterkurse für junge Dirigenten. Im Sommer startet die mehrteilige Reihe «Pollini Perspectives», die ausgewählten Beethoven-Sonaten neue Werke von Lachenmann, Manzoni, Sciarrino und Stockhausen gegenüberstellt. Unter dem Motto «Ein Fest für Luzern» öffnen sich die Festspiele verstärkt breiteren Publikumsschichten, etwa mit Programmen auf dem Inseli, einer Lichtshow und Tanznächten. Auch das Angebot für Kinder und Jugendliche wird ausgebaut und neu unter dem Namen «Young» gebündelt. Das Piano-Festival steht ganz im Zeichen von Franz Liszts 200. Geburtstag.


Nikolaus Harnoncour dirigiert den Concentus Musicus Wien beim Oster-Festival 2010 (Foto: Peter Fischli/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Nikolaus Harnoncour dirigiert den Concentus Musicus Wien beim Oster-Festival 2010 (Foto: Peter Fischli/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

2012
Claudio Abbado stellt zu Ostern das Orchestra Mozart vor, seine jüngste Orchestergründung. Letztmals zu Gast ist Nikolaus Harnoncourt. Im Anschluss ans Sommer-Festival gastieren Pierre Boulez, die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY und das Ensemble intercontemporain mit Boulez’ Pli selon pli in Turin, Mailand, Amsterdam, Paris, München und London (Solistin ist Barbara Hannigan) – zugleich Boulez’ letzte Auftritte am Pult der Academy. Abbado und das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA bestreiten ein Benefizkonzert für das erdbebengeschädigte Teatro Communale Ferrara.


2013
Beim Oster-Festival präsentieren Gustavo Dudamel und das Los Angeles Philharmonic John Adams neues, von den Festspielen mit in Auftrag gegebenes Oratorium The Gospel of the Other Mary (in der Inszenierung von Peter Sellars). Im Sommer feiert LUCERNE FESTIVAL unter dem Motto «Revolution» seinen 75. Geburtstag. Zu den Höhepunkten zählen die erste Luzerner Gesamtaufführung des Rings (mit Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern) und der grosse «Jubiläumstag», ein ganztägiges Musikspektakel in allen Sälen des KKL Luzern, das über 7.500 Musikfreunde besuchen. Abbado dirigiert bei seinem letzten Auftritt Schuberts Unvollendete und Bruckners Neunte Sinfonie. Auch Lorin Maazel, der mit den Wiener Philharmonikern das Festival-Finale gestaltet, ist zum letzten Mal zu Gast. Im September und Oktober wird im japanischen Matsushima erstmals die aufblasbare Konzerthalle LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA aufgebaut; in den beiden Folgejahren gastiert sie in Sendai und Fukushima.

Die mobile Konzerthalle LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA (Foto: Yu Terayama/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Die mobile Konzerthalle LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA (Foto: Yu Terayama/Archiv LUCERNE FESTIVAL)


2014
Nach dem Tod Abbados, der beim Oster-Festival mit einem Gedenkkonzert «seines» LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA geehrt wird, übernimmt Andris Nelsons die Leitung der Sommer-Programme. Zwei Neugründungen stellen sich der Öffentlichkeit vor: das festivaleigene Kreativlabor Young Performance, das neue Formate für junge Hörer entwickelt (und gleich für seine erste Produktion HEROÏCA den «Junge Ohren Preis» erhält), sowie die LUCERNE FESTIVAL ALUMNI, das internationale Netzwerk ehemaliger Academy-Teilnehmer.

Young Performance macht den Tönen Bewegung - ein neues Format nicht nur für junge Hörer (Foto: Peter Fischli/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Young Performance macht den Tönen Bewegung – ein neues Format nicht nur für junge Hörer (Foto: Peter Fischli/Archiv LUCERNE FESTIVAL)


2015
Zum 90. Geburtstag ihres Gründers und Leiters gestaltet die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY gemeinsam mit dem Ensemble intercontemporain einen «Tag für Pierre Boulez»: mit Werken des Jubilars und «Geburtstagsgaben» u. a. von Heinz Holliger, György Kurtág und Wolfgang Rihm. «Composer-in-residence» Tod Machover präsentiert seine Sinfonie für Luzern, ein klingendes Stadtportrait, entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Luzerner Bevölkerung. Im Anschluss ans Sommer-Festival gehen das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA und Andris Nelsons auf grosse Europatournee, u. a. mit gleich zwei Auftritten in der neuen Pariser Philharmonie. Das Piano-Festival wartet mit einer Neuerung auf: Der erste «Tastentag» stellt in mehreren Konzerten die Goll-Orgel des KKL ins Zentrum.


2016
Riccardo Chailly tritt mit Mahlers Achter Sinfonie sein Amt als Chefdirigent des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA an. Wolfgang Rihm folgt dem im Januar verstorbenen Boulez als künstlerischer Leiter der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY nach und wird dabei von Matthias Pintscher als «Principal Conductor» unterstützt. Das Sommer-Festival fragt unter dem Motto «PrimaDonna» nach der Rolle der Frau im Musikleben und rückt Komponistinnen, Solistinnen und Dirigentinnen in den Blickpunkt. Gleich sechs Dirigentinnen treten beim erstmals durchgeführten «Erlebnistag» auf, einem ganztägigen Musikmarathon im KKL Luzern. Bernard Haitink und Daniel Barenboim feiern ihr 50. Luzerner Bühnenjubiläum, Anne-Sophie Mutter und Maurizio Pollini sind den Festspielen seit 40 Jahren verbunden.

Dieser Beitrag wurde unter Alle Beiträge veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *