Asylsuchende des Projekts «Hope» besuchten am Erlebnistag Mozarts «Idomeneo»

Besuch der Asylsuchenden des Projekts «Hope» © Priska Ketterer / LUCERNE FESTIVAL

Können Sie etwas zu den Flüchtlingen sagen um die Sie sich kümmern? Wie viele sind es? Woher kommen sie, wie alt sind sie?
Ich unterrichte – teils betreue und begleite ich sie auch immer wieder – zwischen 10 und 20 Flüchtlingen, nur 3 davon Frauen, es sind überwiegend Afghanen. Aber auch Syrer, Eritreer, Somalier und Tamilen. Die Mehrheit ist +/- 20. Alles junge Menschen, manche mehr Kind als Erwachsene/r. Das scheinen wir zu verdrängen oder nicht sehen zu wollen: Viele junge Männer und Frauen, die bei uns Asyl, Heimat und Anschluss suchen, sind noch keine erwachsene Menschen.

Wie sind Sie dazu gekommen sich um Flüchtlinge zu kümmern?
Flüchtlinge sind angewiesen auf das Wohlwollen und die Unterstützung anderer Menschen. Das weiss ich, seit ich als Kind erfahren habe, was Hitler in Europa angerichtet hat und dass Millionen von Menschen flüchten mussten, um nicht getötet zu werden: Alte, Junge, Frauen, Männer, Kinder. Menschen wie Sie und ich. Als Erwachsene habe ich dann zuerst in einer Flüchtlingsbegleitgruppe mitgemacht, als viele aus Exjugoslawien und Sri Lanka zu uns kamen, heute unterrichte ich Deutsch und biete Beziehung oder Freundschaft an. Mir ist würde- und liebevolles Geben und Nehmen über Religionen und Nationen, Geschlecht oder Status hinweg wichtig.

Weshalb «Idomeneo», versuchen Sie auch sonst für Ihre «Schützlinge» ein Kulturprogramm zu organisieren?
Weil diese Produktion die brandaktuelle Herausforderung «fremd sein, auf der Flucht sein» zu thematisieren scheint, weil ich die Oper liebe und ja, weil viele Flüchtlinge Musik lieben, singen, Kalligraphie können oder hervorragend zeichnen und wir ihnen dazu gern Gelegenheit geben.

Deshalb: Herzlichen Dank für die reduzierten Karten! Sonst hätte ich diese Idee nicht umsetzen können!

Wie hat Ihnen die Aufführung gefallen?
Ich bin beeindruckt von der Idee bis und mit der Umsetzung. Ich fand die Aufführung spannend und künstlerisch hochwertig. Mit einer Ausnahme: Ich halte die Sprache der Gewalt – Maschinengewehr, Angriffe aus der Luft oder auch nur die schwarze Gesichtsmaske mit den Löchern – für zu plakativ oder ostentativ und sie haben mich abgestoßen, mir Angst gemacht. Anspielungen hätten mir gereicht. Und den Flüchtlingen sowieso!

Wie kann man sich engagieren?
Wie man sich engagieren kann? Sie könnten genauso gut fragen: Wie kann man etwas geben? Aber Sie wissen, wie Sie jemandem etwas schenken können, jemandem eine Freude bereiten können. Tun Sie es auf Ihre Art und Weise – aber tun Sie es!

Yaël Bornstein – Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Projekts Hope

Interview geführt von Bettina Jaggi | LUCERNE FESTIVAL

Rückmeldungen der BesucherInnen:

Huda E.: «Ich fand die Oper sehr traurig. In der Nacht danach bin ich im Traum ertrunken.»

Özgül G.: «Ich mag klassische Musik, vor allem Mozart. Es hat mir sehr gut gefallen.»

Vahid N.: «Es hat mir sehr gut gefallen. Diese Art von Musik war völlig neu für mich. Als die Schüsse fielen, hatte ich einen Moment lang Angst.»

 Sina J.: «Ich fand es sehr gut und die Menschen können uns so verstehen. Wie wir nach Europa, in die Schweiz gekommen sind.»

HOPE – Im Kanton Luzern dürfen Asylsuchende im Moment 200 Lektionen Deutschkurs absolvieren. Dabei handelt es sich um eine freiwillige, vom Bund nicht vorgeschriebene Leistung des Kantons. Um das Erlernte zu üben und weiterzuentwickeln und um den Integrationsprozess voranzutreiben, wurde das Projekt «Hope» von Asylsuchenden und SchweizerInnen entwickelt mit dem Ziel, die Deutschkurse weiterzuführen und gleichzeitig die SchülerInnen ihr Wissen umgehend in Freiwilligenarbeit weitergeben zu lassen. Damit werden nicht nur die Deutschkenntnisse der Einzelnen verbessert, sondern auch ein wichtiger Teil zur Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt beigetragen.

«Hope» – Initiatorinnen: Béatrice Pistor und Ursi Rohrer-Keller, Horw.

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