«Ein Debussy-Spieler muss Sinn für Ironie aufbringen». Klavierexperte Martin Meyer über Claude Debussy

Piano Lecture mit Martin Meyer (Foto: Priska Ketterer/LUCERNE FESTIVAL, 2016)

Gleich zwei Vorträge hält Klavierexperte Martin Meyer beim diesjährigen Piano-Festival: Am 25. November fragt er unter dem Titel «Jung und alt», inwiefern sich das Alter der Interpreten – ihre grosse Erfahrung oder ihr jugendlicher Enthusiasmus – in ihren Interpretationen niederschlägt. Und knapp eine Woche zuvor, im Rahmen unseres «Tastentags» am 19. November, nimmt er bedeutende Debussy-Interpreten in den Blick. Wir haben Martin Meyer vorab gefragt, was einen idealen Debussy-Pianisten auszeichnet.

Wie hat Claude Debussy mit seinen Werken das Komponieren für Klavier verändert?
Debussy hat, Chopin und Liszt weiterentwickelnd, eine höchst kreative und eigene Klaviersprache gefunden, die mit raffinierten Harmonien, subtilen Klangeffekten und spannender Rhythmik die Möglichkeiten des Instruments nochmals deutlich erweitert hat. So ist etwa die Funktionsharmonik absichtsvoll zurückgelassen, Dur-Moll-Unterscheidungen werden schwierig, unaufgelöste Dissonanzen sorgen für Überraschungen. Der späte Zyklus der Etüden blickt bereits in die Moderne.

Über welche spezifischen Fähigkeiten muss ein Debussy-Interpret verfügen? Und welche Pianistinnen und Pianisten können für Sie als die herausragenden und prägenden Debussy-Interpreten gelten – einst und jetzt?
Der versierte Debussy-Spieler muss den Flügel völlig beherrschen, über einen facettenreichen Anschlag verfügen, intime, aber auch orchestrale Klänge realisieren können, ein sehr guter Rhythmiker sein und – nicht zuletzt – einen gewissen Sinn für Ironie und Distanz aufbringen. Frühere Meister ihres Faches waren etwa Walter Gieseking, Robert Casadesus, Marguerite Long, Monique Haas, dann auch Svjatoslav Richter und vor allem Arturo Benedetti Michelangeli. Unter den Heutigen wären zu erwähnen: Martha Argerich, Evgeny Kissin oder auch Daniil Trifonov, nicht zu vergessen als Altmeister Maurizio Pollini.

Was wissen wir über den Pianisten Debussy?
Debussy wollte eigentlich Pianist werden, aber am Pariser Conservatoire war man mit seinen – wohl etwas unregelmässigen – Leistungen nicht ganz zufrieden. Zum Glück für die Nachwelt: Der Komponist bleibt und ist quicklebendig, den Pianisten könnten wir nur noch historisch zuordnen. Einzelne Welte-Mignon-Aufnahmen zeigen freilich einen genau kalkulierenden und beherrschten Interpreten seiner eigenen Werke.

Piano Lecture 1 mit Martin Meyer | 19. November, 16.00 Uhr
«Bilder und Töne. Worauf es bei der Debussy-Interpretation ankommt»
Piano Lecture 2 mit Martin Meyer | 25. November, 14.30 Uhr
«Jung und alt»

Tastentag | 19. November, ab 11.00 Uhr
«Wege zu Debussy»
Konzerte von Kit Armstrong, Sophie Pacini und Yulianna Avdeeva
Karten zum Einheitspreis von CHF 50
(«Tastentag-Paket» mit allen drei Konzerten: CHF 120)

Die Fragen stelle Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

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