Wilhelm Furtwängler in Luzern: neue Mitschnitte in den «Historic Performances»

Wilhelm Furtwängler in Luzern (Foto: Jean Schneider/Archiv LUCERNE FESTIVAL)

Wer sucht, der findet. So geschehen auch im Archiv von Radio SRF. Dort stiess man auf den Live-Mitschnitt eines Konzerts, der lange als verschollen galt. Was überaus bedauerlich war, handelte es sich doch um Wilhelm Furtwänglers vorletzten Auftritt bei den Internationale Musikfestwochen Luzern, dem heutigen LUCERNE FESTIVAL. Nun sind die wiederaufgefundenen Originalbänder, sorgfältig remastered, in unserer CD-Reihe «Historic Performances» erschienen.

Sechzehnmal hat Wilhelm Furtwängler das Schweizerische Festspielorchester geleitet. Bei seinem Auftritt am 26. August 1953 setzte er drei gewichtige Werke aufs Programm: Ludwig van Beethovens Eroica, dazu die Vierte Sinfonie und die Manfred-Ouvertüre von Robert Schumann. Seine Luzerner Deutungen der beiden Sinfonien – sie zählten zu Furtwänglers «Leib-und-Magen-Stücken» − dürften eingefleischten Fans des Dirigenten bereits bekannt sein, denn von ihnen hat sich eine verschiedenenorts publizierte Liebhaber-Aufnahme erhalten, die der Berner Hochschulprofessor Jakob Stämpfli damals mittels eines Revox-Kassettenrecorders anfertigte. Und doch: Die nun aufgefundenen Originalbänder des Schweizer Rundfunks bringen natürlich einen deutlichen Fortschritt, klingen klarer, wärmer und tiefenschärfer.

Aber nicht nur deshalb ist diese neue Doppel-CD ein Fest für Furtwängler-Fans. Sondern auch, weil sie (als Erstveröffentlichung) das bisher als verloren angesehene Eröffnungsstück des Konzerts enthält: Schumanns Manfred-Ouvertüre. Furtwängler hat sie – genau wie die Vierte Sinfonie, die er wenige Monate vor dem Luzerner Auftritt mit den Berliner Philharmonikern einspielte – nur ein einziges Mal auf Schallplatte gebannt, und zwar 1951 mit den Wiener Philharmonikern. Spieltechnisch ist das jeden Sommer neu zusammengestellte Schweizerische Festspielorchester dem Wiener Spitzenklangkörper natürlich unterlegen – auch wenn im Sommer 1953 Musiker wie der junge Konzertmeister Michel Schwalbé mitwirkten (den Herbert von Karajan übrigens vier Jahre später in gleicher Position nach Berlin lotsen sollte). Und doch sind Furtwänglers Luzerner Interpretationen absolut zwingend, entfalten sie eine unglaubliche Kraft und Stringenz. Woran das liegt, erläutert Uwe Schweikert detailliert in seinem Booklettext.

Im darauffolgenden Sommer, am 22. August 1954, dirigierte Wilhelm Furtwängler, diese prägende Figur der frühen Festspieljahre, dann sein letztes Konzert am Vierwaldstättersee. Wenige Monate vor seinem Tod widmete er sich gemeinsam mit dem Philharmonia Orchestra aus London noch einmal Beethovens Neunter Sinfonie: seine insgesamt 103. (und letzte) Aufführung dieses Werks! Auch dieser Mitschnitt ist vor drei Jahren, ebenfalls neu remastered, in den «Historic Performances» erschienen.

Malte Lohmann | Redaktion LUCERNE FESTIVAL

Wilhelm Furtwängler mit dem Schweizerischen Festspielorchester (Foto: Jean Schneider-Archiv LUCERNE FESTIVAL)

 

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2 Antworten auf Wilhelm Furtwängler in Luzern: neue Mitschnitte in den «Historic Performances»

  1. LUCERNE FESTIVAL sagt:

    Sehr geehrte Frau Spillmann,

    die Doppel-CD kostet 24,50 sFr. und können Sie direkt über unsere Website im Shop online bestellen. Hier finden Sie den direkten Link zur CD: https://www.lucernefestival.ch/de/article/80

    Wenn Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.

    Herzliche Grüsse
    Ihr Team von LUCERNE FESTIVAL

  2. Cristina Spillmann sagt:

    Guten Tag,

    Wieviel kostet die Doppel-CD und wo wäre diese gegebenenfalls zu bestellen? Vielen Dank.
    Freundliche Grüsse.
    Cristina Spillmann, E12598 Peniscola
    Tel. 0034 964467611
    rolspi@gmail.com

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