«Ein toller Film, der sich da abspielt, wenn man Messiaen hört.» SEVEN über Synästhesie

Seven (Foto © Peter Rauch)

Der französische Komponist Olivier Messiaen war Synästhetiker: Er hörte Farben und sah Töne. Auch Du hast diese Gabe – wann hast Du das gemerkt?

Ob es eine Gabe ist, kann ich nicht sagen. Es ist ein Tick, der mir immer geholfen hat über Musik zu sprechen. Schon immer habe ich im Proberaum und im Studio die Farben als Kommunikationshilfsmittel benutzt, um zu erklären, wie ich was höre, will und fühle. Diese zusätzliche Sprache war immer ein sehr willkommenes Hilfsmittel, denn Musik muss man vor allem spüren und beschreiben können, wenn man miteinander musizieren will. Als ich dann vor knapp zehn Jahren in Los Angeles mit dem Produzenten Keith Crouch mitten in der Nacht über die Nuancen des Rot philosophierte merkte ich, dass dies nicht einfach ein komischer Tick ist, sondern es anderen auch so geht. Dort hörte ich zum ersten mal von Synästhesie.

Du hast gesagt, Du würdest «Songs immer in Farben und Stimmungen denken und einteilen». Was heisst das konkret, wenn Du einen Song schreibst: Hast Du Farbvorstellungen, die Du dann in eine Melodie «übersetzt»?

Musik die keine Bilder in mir hervorruft ist für mich nutzlos und wird nicht weiter verfolgt. Musik war und ist für mich immer optisch, und wenn ich bei einem guten Song die Augen schliesse, will ich, dass mich die Musik an einen Ort entführt. Dieser Ort hat für mich dann halt immer eine klare Farbe. Wenn ich Björk höre ist Island blau und wenn ich Stevie Wonder höre ist das Wohnzimmer mit viel Holz und warmem Gelb umgeben. Der Film in meinem Kopf ist immer in Farben gefiltert, je nach Musik die ich höre.

Für Dein neues Album hast Du Deine Faszination für Farben sogar zum Titel erhoben: «4COLORS». Was ist die Idee dahinter?

Ich hatte auf so vieles Lust und vier Haufen Songs auf meinem Tisch. Kühle elektronische Musik, warme und positive Soultunes in gelb, tiefrote RnB Songs für die Stunden nach Mitternacht aber auch einen Haufen aus Funk in Purpur. Ich konnte mich nicht entscheiden, welches Album ich machen wollte und so wurde mein Dilemma zur Lösung und der Name zum Programm. Ich habe vier kleine Alben in diesen vier Farben gemacht.

Welche Emotionen verbindest Du mit den Grundfarben Rot, Gelb, Blau?

Genau wie mein Album es beschreibt. Blau ist Melancholie und Kälte, Gelb ist Gemeinschaft und nichts böses sondern Menschlichkeit und Soul, eine urbane Community, Rot ist für mich Sex pur… Rhythm and Blues.

Seven (Foto © Sven Germann)

Der Synästhetiker Messiaen fand zu einer besonders klangsinnlichen Musik voller ungewöhnlicher Orchesterfarben. Wie ist es bei Dir: Hast Du ein besonderes Gespür für Sounds/Klangfarben?

Ich denke ich bin sehr emotional und intuitiv, wenn ich schreibe. Oft suche ich tagelang nach einem Sound, und der inspiriert mich dann innert wenigen Stunden einen kompletten Song zu schreiben. Ich bin sehr soundverliebt und Design ist für mich auch in der Musik wie Malerei. Gib mir die richtigen Farben und dann geht alles wie im Rausch.

Schon mal Musik von Messiaen gehört?

Ja ich habe mir das angehört und ich liebe es, weil man spürt, dass es nicht den herkömmlichen Entstehungen durchlief, sondern sehr von Trieben und Intuition gesteuert ist. Ein toller Film, der sich da abspielt, wenn man Messiaen hört.

Und allgemeiner: Hörst Du klassische Musik? Gibt es Berührungspunkte mit Deiner eigenen Musik?

Meine Eltern sind beides klassische Musiker. Eine Pianistin und ein Tenor. Selber habe ich zehn Jahre Geige gespielt. Für das aktuelle Album habe ich mit Moritz Schneider vier reine Orchesterstücke geschrieben, eines pro Farbe. Dies haben wir dann in London mit dem Royal Orchestra of London im AIR Studio aufgenommen – dies war schon immer ein Traum.

Wir bedanken uns bei SEVEN für das Interview. Daten seiner aktuellen Tour findest du hier: www.sevenmusic.ch/tour-dates


Erlebt die Farbvielfalt von Messiaen
am 23. März 2018 | 19.30 Uhr, KKL Luzern

Ensemble intercontemporain
Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI
Matthias Pintscher  Dirigent
Ann Veronica Janssens  Visualisierung (Lichtkonzept)

Olivier Messiaen (1908–1992)
Des canyons aux étoiles für Klavier, Horn, Xylorimba, Glockenspiel und Orchester

Swiss Re – Partner LUCERNE FESTIVAL ALUMNI


Gewinne 3×2 Tickets für das Konzert und sende eine Mail mit dem Betreff «Messiaen» an die folgende Adresse: info@lucernefestival.ch

Einsendeschluss ist Montag, der 19. März 2018, 12.00 Uhr. Die Gewinner werden unmittelbar im Anschluss benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Eine Antwort auf «Ein toller Film, der sich da abspielt, wenn man Messiaen hört.» SEVEN über Synästhesie

  1. frosio coralie sagt:

    Messiaen (1 Rollstuhlplatz)

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