«Brillante Triller, ein Höchstmaß an Virtuosität» Martin Angerer spielt Hummels Trompetenkonzert

Martin Angerer (Foto: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks)

In Österreich hat die traditionelle Blasmusikkultur einen besonderen Stellenwert. Pflegst Du als Österreicher auch privat in München dieses Kulturgut?

In München finde ich keine Zeit, der Volksmusik oder Blasmusik nachzugehen. Jede freie Minute ist verplant, keine Zeit für Langeweile. Musikalisches Heimweh kommt auch nicht auf, da ich in der klassischen Musik meine Heimat gefunden habe.

Du hast auch in vielen renommierten österreichischen Orchestern gespielt: wie unterscheidet sich die deutsche Bläser-Stimmgruppe von einer Österreichischen?

Die Kunst der Interpretation liegt ja darin, französische Musik französisch erklingen zu lassen, italienische italienisch, österreichische österreichisch, deutsche deutsch usw. Je mehr man es schafft, seinen eigenen «Dialekt» abzulegen, desto akzentfreier kann man eine andere Sprache wiedergeben. Andererseits bringt ein Akzent, wenn alle ihn gleich sprechen, einen gewissen Charme. Und für mich spielen viele Orchester charmant, jedes auf seine eigene Art und Weise.

Seit 2011 bist Du Solo-Trompeter des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und stehst am 24. März als Solist auf der Bühne. Wie unterscheidet sich Dein Gefühl vor und während solch eines Solo-Auftritts gegenüber Deiner alltäglichen Funktion im Orchester?

Den großen Unterschied macht die Gewohnheit aus. Die Situation als Orchestermusiker kenne ich, es ist mein täglich Brot. Als Solist auf die Bühne zu treten ist etwas besonderes, geschieht nicht jeden Tag, deshalb ungewohnter und mit etwas mehr Spannung versehen. Die mentale Vorbereitung bedarf mehr Zeit. Aber man könnte sich daran gewöhnen …

Hummels Trompetenkonzert steht auf dem Programm: Was sind die Schwierigkeiten und Herausforderungen bei diesem Werk?

Auf der technischen Seite butterweiche 1 1/2 Oktav – Bindungen, brillante Triller, ein Höchstmaß an Virtuosität, perfektes Zusammenspiel von Artikulation und Fingerfertigkeit. Auf der musikalischen Seite Klangsensibilität, Farbenreichtum und eine klare Vorstellungsgabe der Geschichte, die man erzählen will.

Viele Musiker haben einen Glücksbringer, Fotos oder andere für sie wichtige Gegenstände in ihrem Instrumentenkoffer. Was ist Dein wichtigster Gegenstand?

Glücksbringer habe ich keine. Was ich mit mir mittrage, sind die vielen schönen Erinnerungen an Menschen, die mir nahe stehen. Ich brauche nichts physisches, um sie zu spüren. Mir reicht die Gewissheit, dass sie da sind.

Mehr zu Martin Angerer finden Sie hier.

Wir bedanken uns für das Interview | Jacqueline Saner / LUCERNE FESTIVAL


Konzert am Samstag, 24. März 2018 | 18.30 Uhr, KKL Luzern

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Chor des Bayerischen Rundfunks

Mariss Jansons  Dirigent
Martin Angerer  Trompete
Julia Kleiter  Sopran
Gerhild Romberger  Alt
Christian Elsner  Tenor
Florian Boesch  Bassbariton

Igor Strawinsky (1882–1971)
Sinfonie in drei Sätzen

Johann Nepomuk Hummel (1778–1837)
Trompetenkonzert E-Dur

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Messe C-Dur op. 86

Patronatskonzert der Freunde LUCERNE FESTIVAL

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