Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks reist nach Luzern – ein spannender Blick hinter die Kulissen.

Das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks auf Reisen (Foto © Peter Meisel)

Matthias Mehl, Mitarbeiter des Künstlerischen Betriebsbüros des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, gibt einen spannenden Einblick hinter die Kulissen. Welchen logistischen Herausforderungen das Orchester und das Management gegenüberstehen, wenn sie zum Oster-Festival nach Luzern kommen, erfahren Sie in diesem Beitrag:

Welche Abteilungen arbeiten bei der Koordination für eine Tournee wie zusammen? Wer hat welche Aufgaben?

Das Orchesterbüro und das Künstlerisches Betriebsbüro: Das Orchesterbüro erstellt die Dienstlisten, aus denen hervorgeht welche Musikerinnen und Musiker an einem Gastspiel oder einer Tournee teilnehmen. Darüber hinaus spricht der Orchesterinspizient mit den Musikerinnen und Musiker ab, welches Instrumentarium für die Konzerte benötigt wird (hier vor allem Kontrabässe, Pauken, Schlagwerk, Harfen, Tastaturinstrumente).

Das Künstlerisches Betriebsbüro tritt mit Konzertveranstaltern in Kontakt und plant die Gastkonzerte. Zusätzlich wird hier die Reiseplanung und Buchungen (Transfers, Hotels, Visa, Auslands-Versicherungsnachweis) und die Reiselogistik (Transportmittel Orchesterinstrumentarium, Ausfuhrgenehmigungen Instrumente/“Reisepass für Instrumente“/Zolldokumente/Zollabwicklung) koordiniert und ausgeführt.

Bedeutet eine Konzertreise mit Chor gleich viel mehr Aufwand?

Natürlich bedeutet es in gewisser Weise einen Mehraufwand, sind doch mehr Musikerinnen und Musiker an der Produktion beteiligt. Als eigenständiger Klangkörper plant der Chor des Bayerischen Rundfunks die Transfers und Unterkünfte jedoch selbstständig. Die Größte „Herausforderung“ stellt wahrscheinlich die Koordination des Probenplans dar.

Foto © Peter Meisel (BR)

Welches Transportmittel ist für eine Reise mit Chor und Orchester am «einfachsten» zu planen?

Einfach wäre es, wenn sich jede Musikerin und jeder Musiker selbst um die An- und Abreise kümmern müsste. [*Schmunzel*]

Welchen Herausforderungen steht die/der Tourneemanager/in bei Konzertreisen gegenüber?

Die Herausforderungen sind genauso vielseitig wie die Orchesterliteratur: Neue Verordnungen für die Ein- und Ausfuhr von Instrumenten, Musikerinnen und Musiker die kurzfristig erkranken und somit eine Aushilfe organisiert werden muss, wenn Abfahrtszeiten verschlafen werden, Notenmaterial verschwindet, Instrumente Schaden nehmen, Ausweisdokumente abhanden kommen, Gepäck im falschen Flieger landet, Busse im Stau stehen… „Entspannung“ tritt oft unmittelbar mit Konzertbeginn durch die Musik und das Geschehen im Jetzt ein.

Wie bereitet sich der Klangkörper und der Chor auf die bevorstehenden Konzerte vor?

Das Konzertprogramm wird in den regulären Abonnement-Wochen erarbeitet. Zusätzlich gibt es dann oft nochmals Reiseproben unmittelbar vor Reisebeginn. Die Proben beginnen in der Regel am Montagmorgen und enden am Donnerstagmorgen. Abgeschlossen werden die Projektwochen meist mit Konzerten am Donnerstag- und Freitagabend (und Gastkonzerte im Anschluss).

Wie viele Tickets wurden für Ihre Konzerte nach Luzern gebucht und wieviele Instrumente müssen verfrachtet werden?

Das Orchester reist mit dem Zug an. Es sind 122 Tickets für das Orchester gebucht. Der Chor 74 Tickets.

Wir haben für unser jetziges Gastspiel ein Gesamtvolumen von 78m³. Insgesamt haben wir 78 Reise- und Instrumentenkisten und 13 Kontrabass- und Schlagzeugstühle dabei. Zu den Konzerten an diesem Wochenende haben wir 108 Streich- und Blasinstrumente im Gepäck. Hinzukommen noch ein Satz Pauken und diverses Schlagzeuginstrumentarium (Vibraphon, Xylophon, Glockenspiel, gr. Trommel, Becken, Congas, Bongos, Militärtrommeln, Tam-Tams …).

Fotos © Peter Meisel (BR)

Welche Logistikfragen gibt es vor Ort zu überwinden?

Entladen der LKWs, Bereitstellen der Instrumenten- und Frackkisten, Bühnen- und Orchesteraufbau im Saal, ggf. Räumlichkeiten/Örtlichkeiten für Bühnenmusik begutachten, ggf. Koordination mit den Kolleginnen und Kollegen des Hörfunks und der Video-Aufzeichnung, Backstage-Beschilderung für die Musiker, Herrichten der Dirigenten- und Solistengarderobe.

Wer hat die Verantwortung, dass am Schluss die Noten auf dem Dirigentenpult liegen?

Dieser Aufgabenbereich liegt in der Verantwortung von unserem lieben Orchesterinspizienten Martin Wosnik.

Was erwartet die Orchesterwarte und das Management, wenn das Konzert zu Ende ist und die Musikerinnen und Musiker bereits am Weg ins Hotel sind?

Bühnen- und Orchesterabbau, Packen der Instrumenten- und Frackkisten, Beladen der LKWs, Betreuung der Dirigenten und Solisten sowie Begleitung zu weiteren Terminen wie Empfänger oder andere Anlässe.

Was ist der «Alptraum» eines jeden Tourneemanagers? Was war Ihr schlimmstes Erlebnis in diesem Zusammenhang?

Dass ein Dirigent, ein Solist, Solo-Bläser, Solo-Pauker oder Konzertmeister kurzfristig ausfällt. Mein bisher schlimmstes Erlebnis? Dass Ausweisdokumente nach einem Konzert in der Instrumentenkiste vergessen wurden und dies ein nächtliches Entladen des LKWs auf einem französischen Rastplatz zur Folge hatte. Oder dass das Reisegepäck eines Gastdirigenten mitsamt der Partituren im falschen Flug gelandet ist (bereits 2 Mal passiert).

Herzlichen Dank für das Interview: Matthias Mehl – Künstlerisches Betriebsbüro des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Fotos © Peter Meisel (BR)


Konzert am Samstag, 24. März 2018 | 18.30 Uhr, KKL Luzern

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Chor des Bayerischen Rundfunks

Mariss Jansons  Dirigent
Martin Angerer  Trompete
Julia Kleiter  Sopran
Gerhild Romberger  Alt
Christian Elsner  Tenor
Florian Boesch  Bassbariton

Igor Strawinsky (1882–1971)
Sinfonie in drei Sätzen

Johann Nepomuk Hummel (1778–1837)
Trompetenkonzert E-Dur

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Messe C-Dur op. 86

Patronatskonzert der Freunde LUCERNE FESTIVAL


Konzert am Sonntag, 25. März 2018 | 17.00 Uhr, KKL Luzern

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Mariss Jansons  Dirigent
Denis Matsuev  Klavier

Robert Schumann (1810–1856)
Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 Frühlingssinfonie

Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43

Leonard Bernstein (1918–1990)
Divertimento für Orchestra

Hauptsponsor: Zürich Versicherung

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