Dirigent Ulysses Ascanio, Gründungsmitglied von El Sistema, im Interview zum Orchester Camp bei LUCERNE FESTIVAL.

Orchester Camp Superar Suisse & Friends © Diego Ravetti

Wie war Ihre erste Begegnung mit José Abreu? Inwiefern hat Sie diese geprägt?

Ich begegnete Maestro José Antonio Abreu zum ersten mal direkt vor einer Probe. Er legte seine Hand auf meine Schulter und mit seinem unbeschreiblichen Blick, als würde er meine Seele durchbohren, fragte er mich, was für ein Repertoire ich momentan auf der Geige spielen würde. Ich beantwortete ihm die Frage und er sagte mir mit einem ehrlichen Lächeln: “Sehr gut, du setzt dich in die erste Geige.” Aber ich traute mich nicht und setzte mich trotzdem in die zweite. Die Probe begann und ich empfand zum ersten Mal, dass mein Leben dank der Geige in meinen Händen Sinn hatte und Sinn ergeben konnte.

So stark war seine Energie, seine Überzeugung, sein Charisma und seine Kunst. Sein Einfluss war und bleibt in jeder Hinsicht zielgebend für den Rest meines Lebens.

Hat «El Sistema» Venezuela positiv verändert? Wie ist die Situation aktuell?

El Sistema zeichnet sich durch einen ausserordendlichen und historischen Wandel aus. Ausgehend von einer düsteren Perspektive, arm an Hoffnung, mit einer sehr reduzierten Anzahl an jungen Musikern ohne jegliche Koordination und kollektiver Zufkunft bis hin zu einem System, welches Grenzen überwindet und die ganze Welt inspiriert.

Es ist aus meiner Sicht das Bedeutendste im Kulturellen, im Sozialen und im Humanistischen was in der zeitgenössischen Geschichte unseres Landes passiert ist.

Orchester Camp Superar Suisse & Friends © Diego Ravetti

Gibt es Unterschiede zwischen der (musikalischen) Arbeit mit Kindern aus Europa und Kindern aus Südamerika?

Es gibt keinen Unterschied. Alle Kinder haben eine Art “gemeinsamen Ort”, welcher sie auch über die offensichtlichen, äusseren Unterschiede charakterisiert. Ein Ort, wo die Würde, die Reinheit, die Kreativität, die Hoffnung, das Licht, die Träume und die Vorstellungskraft, die künstlerische Sensibilität und die Möglichkeit einer unermesslichen Zukunft wohnt.

Wenn wir die Menschlichkeit und die feste Überzeugung besitzen bis dorthin vorzudringen, gelingt es uns eine kreative Begegnung zu schaffen, die etwas verändert.

Ich glaube, dass im Verhältnis dazu die Kultur, die Herkunft, die verschiedenen Sprachen und Gewohnheiten eine sekundäre Rolle spielen, wenn es uns gelingt mit diesem “gemeinsamen Ort” in Verbindung zu treten.

Es geht los! Einblick in die erste Probe des Orchester Camps Superar Suisse & Friends mit dem 4. Satz aus Beethovens Sinfonie Nr. 5 😍🎶Das grosse Abschlusskonzert findet am 18. August um 14.30Uhr im KKL Luzern statt. Kommt vorbei!

Posted by Lucerne Festival on Monday, August 13, 2018

Was liegt Ihnen besonders am Herzen? Was ist das Wichtigste, was Sie den Kindern vermitteln wollen?

Mein grundsätzliches Ziel bei der Orchesterarbeit ist eine übergreifende Ausbildung durch Musik. Die Beziehung zwischen einem Kind und seinem Instrument sollte prinzipiell auf der Leidenschaft für das Musizieren basieren, dem Gefühl von grosser Kraft, die das Kind dank dem Instrument besitzt.

Orchester Camp Superar Suisse & Friends © Diego Ravetti

Und auf diesen Enthusiasmus muss man bauen, um die allgemeinen Fähigkeiten zu vermitteln, welche für den technischen Fortschritt auf dem Instrument unverzichtbar sind. Wir haben die Herausforderung und die Mission, die Kinder «zu animieren», im Sinne des Spanischen Ausdrucks «dar ánima» – ihnen Seele geben.

(Spanisch ins Deutsche übersetzt von Nicole Benz | LUCERNE FESTIVAL)


Young Familienkonzert
Sa, 18. August 2018 | 14.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal

Orchestercamp von LUCERNE FESTIVAL 
Ulysses Ascanio  Dirigent

«Superar Suisse and Friends»

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67, 4. Satz

Johannes Brahms (1833–1897)
Ungarischer Tanz Nr. 5 g-Moll

Gioachino Rossini (1792–1868)
Ouvertüre zu Guillaume Tell

Dmitri Schostakowitsch (1906–1975)
Walzer Nr. 2 aus der Suite Nr. 2 für Jazz-Orchester

Johann Strauss Vater (1804–1849)
Radetzky-Marsch op. 228

Partner Orchestercamp Hilti Foundation

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